Samstag, 16. November 2019
Hausgeräte Kommentar E&W 10/ 2019

Kuschelzeit

Über den Rand |Stefanie Bruckbauer | 13.10.2019| Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
Ich habe das Gefühl die Branche rückt zusammen. Es herrscht scheinbar ein großes Bedürfnis zu kuscheln, wie ich meine auf den EFHT verspürt zu haben...

Es hat den Anschein, als wäre die Branche auf Kuschelkurs. Das wurde mir vor allem auf den EFHT bewusst. Dieses, mein Gefühl hat ua. damit zu tun, dass Media-Saturn scheinbar wieder Gefallen an der Branche findet und tatsächlich einige namhafte Vertreter auf die Messe entsendete, wodurch diese nicht wie in den letzten Jahren boykottiert, sondern viel mehr indirekt unterstützt wurde – ob gewollt oder nicht.

Dieses Bild des Zusammenrückens entsteht bei mir aber noch viel mehr auf Grund der Tatsache, dass zur Zeit so viele Industrievertreter den Wunsch äußern, wieder verstärkt mit dem Fachhandel zusammenarbeiten zu wollen und das mit diversen Konzepten untermauern. Whirlpool beispielsweise hat extra für den FH eine Zwei-Marken-Strategie entwickelt und ließ dafür eine altbekannte Marke wieder auferstehen. Die Groupe SEB fährt mit einer Fachhandelsoffensive auf und auch Dyson, Philips sowie iRobot wollen mit ausgewählten, „treuen“ Partnern ein nachhaltiges, teilweise selektives Business aufziehen.

Ich frage mich ja nach dem „Warum jetzt“? Normalerweise rücken die Leute aus einer Not heraus zusammen, wenn es also ungemütlich wird. Oder weil sie sich gerne haben. Was aber ist es in unserer Branche? Besinnt man sich tatsächlich auf die Stärken des anderen, auf die Tugenden, die man schätzt und versucht aus reiner Sympathie eine langfristige, ernstgemeinte Partnerschaft aufzubauen? Oder ist es doch viel eher so, dass man seine Felle davonschwimmen sieht, ob des brutalen Preiskampfes da draußen am Markt, wo es großteils schon lange nicht mehr um Qualität, Wert, Nachhaltigkeit und Handschlagqualität geht, sondern nur mehr um Preisdumping und Stückzahlen, was schlussendlich nur die Erträge ruiniert und die Markenwerte ins Bodenlose treibt. Verständlich, dass man angesichts dieser Situation aufeinander zugeht, eine nachhaltige Zusammenarbeit anstrebt – gemeinsam ist man ja bekanntlich immer stärker – und sich zu diesem Zweck auch einiges einfallen lässt bzw. auch mal aus der Komfortzone herausbewegt.  

Der Fachhandel scheint das auf ihn Zukommen der Industrie mit eigenen Fachhandelskonzepten zu begrüßen. Er hat nämlich keine Lust mehr darauf Geräte um 299,- einzukaufen, die zeitgleich im Internet und auf der Großfläche für 249,- an den Endkunden verschleudert werden. Diese „exklusive“ Zusammenarbeit ist aber auch nur dann zu akzeptieren, wenn es nicht mit Fremdbestimmung einhergeht. Und zwar in der Form, dass man als Händler von der Industrie gestalkt wird, ob die Präsentation der Ware auch tatsächlich einem 112 Seiten Vertrag entsprechend im richtigen Umfang, Farbverlauf und (millimetergenauen) Abstand zueinander geschieht. Die Händler wollen nicht zu Leibeigenen der Industrie gemacht, sondern als Partner auf Augenhöhe geschätzt werden. Dafür sind dann auch viele bereit, den unbequemeren Weg zu gehen. Selbst wenn es bedeutet ein bisschen härter arbeiten zu müssen, mutig sein zu müssen und Produkte anzubieten, die es nicht überall anderswo auch gibt. Selbst wenn es bedeutet im Verkaufsgespräch zwei, drei Argumente mehr anbringen zu müssen und die Ware nicht von der Palette, sondern Stück für Stück für Stück verkaufen zu müssen. Im besten Fall funktioniert es und plötzlich machen sich Qualität, Preisstabilität, Erträge und Zufriedenheit bei allen Beteiligten breit. Dafür lohnt es sich dann doch zu kuscheln, oder?

Aber vielleicht stimmen diese meine Theorien ja alle überhaupt nicht und die Leute rücken nur deshalb zusammen, weil die kalte Jahreszeit naht 😉 …

Bilder
Ist die Branche auf Kuschelkurs? Ich meine ja ... (Bild: Rike/ pixelio.de)
Ist die Branche auf Kuschelkurs? Ich meine ja ... (Bild: Rike/ pixelio.de)

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