Dienstag, 26. Mai 2020
Wünsche an die nächste Bundesregierung

FEEI: Notwendige Entscheidungen für Österreich als Industriestandort

Hintergrund | Dominik Schebach | 10.12.2019 | |  
FEEI-GF Lothar Roittner und Obmann Wolfgang Hesoun haben heute die Forderungen und Wünsche der Elektro- und Elektronik-Industrie an die kommende Bundesregierung präsentiert. FEEI-GF Lothar Roittner und Obmann Wolfgang Hesoun haben heute die Forderungen und Wünsche der Elektro- und Elektronik-Industrie an die kommende Bundesregierung präsentiert. Der FEEI hat heute seine Wünsche an die zukünftige Bundesregierung angemeldet, damit Österreich auch in Zukunft als attraktiver Forschungs-, Entwicklungs- und Industriestandort erhalten bleibt. Der von FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun und FEEI-GF Lothar Roitner heute, Dienstag, präsentierte Katalog umfasst Maßnahmen und Forderungen zu den Bereichen Forschung & Entwicklung, Arbeit & Ausbildung, Infrastruktur & Mobilität sowie Klima & Energie.

Der erste Wunsch von FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun klingt banal, dürfte aber angesichts der derzeitigen Verhandlungen von Türkis und Grün nicht so einfach umzusetzen sein: „Wir brauchen eine handlungsfähige Regierung. Es warten große Herausforderungen auf die zukünftige Regierung, die ein entschlossenes politisches Handeln erfordern. Dafür hat die derzeitige Expertenregierung einfach nicht das Mandat.“

Hesoun sorgt sich vor um den Industriestandort. Da gehört Österreich zur Weltspitze. Um die Chancen der Automatisierung, Digitalisierung und Energiewende zu nutzen, besteht allerdings nach Ansicht des FEEI akuter Handlungsbedarf in der Industriepolitik. Vor allem müssten die Technologien, die die Digitalisierung überhaupt erst ermöglichen, im Rahmen der Wettbewerbspolitik entsprechend geschützt werden. „Wir sehen uns damit konfrontiert, dass Drittstaaten wie die USA und China klare strategiepolitische Zielsetzungen verfolgen, um die Kontrolle über Schlüsseltechnologien zu erlangen und zu halten – auch in Europa. Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass wir unsere digitale Führungsrolle dort behaupten, wo wir sie vor allem in der Industrie haben. Wir müssen endlich in Österreich und Europa eine selbstbewusste Industriepolitik entwickeln und bereits vorhandene strategiepolitische Instrumente zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit umfassender etablieren, damit Europa seine globale Handlungsfähigkeit erhalten kann. Das muss von der künftigen Bundesregierung vollumfänglich mitgetragen werden“, so Hesoun heute vor Journalisten.

Dazu gehören faire Rahmenbedingungen im internationalen Wettbewerbs, die Erweiterung des Außenwirtschaftsgesetzes um Untersagungsgründe (wie sie schon von der letzten Bundesregierung erarbeitet wurden) sowie eine strenge Investitionskontrolle auf EU-Ebene, damit ausländische Player nicht die Kontrolle über Schlüsseltechnologien erhalten. Außerdem müsste auf nationaler Ebene ein echtes Bestbieterprinzip bei der öffentlichen Vergabe umgesetzt werden.

Fachkräftemangel

Eine zentrale Forderung bleibt eine durchgehende Ausbildungsoffensive für technische Berufe von der Unterstufe, über die HTL bis hin zu FH und Universitäten, um dem immer stärkeren Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Denn das österreichische Bildungssystem bringe zu wenig naturwissenschaftlich und technisch interessierte Absolventen hervor. „Wir sind als Elektro- und Elektronindustrie vom mittlerweile dramatischen Fachkräftemangel in technischen Berufen besonders betroffen. Uns gehen die hochqualifizierten Arbeitskräfte aus, denn die Digitalisierung erfordert exorbitant mehr gut ausgebildete Fachkräfte als noch vor einigen Jahren. Die haben wir schlicht nicht. Die künftige Bundesregierung muss diesem Umstand entgegenwirken, sonst werden wir als Standort in der Digitalisierung auf der Strecke bleiben“, erklärt Roittner. „Das verstärkte Angebot von MINT-Ausbildungen im schulischen Kontext ist essentiell. Wir brauchen in Österreich zudem dringend mehr Studienplätz im technischen Bereich. Für uns ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass beispielsweise die FH Technikum Wien trotz des akuten Fachkräftemangels im letzten Jahr 1.500 qualifizierte BewerberInnen für technische Studien, obwohl sie das Aufnahmeverfahren erfolgreich absolviert hatten, aus Mangel an der Finanzierung von Studienplätzen abgewiesen werden mussten. Das ist für uns als wissensbasierte Zukunftsindustrie einfach fatal.“

Klimaschutz

Zu den wichtigsten Standortentscheidungen für die kommende Regierung zählen auch die Maßnahmen zum Klimaschutz. Hier will Hesoun vor allem auf Anreize setzen. „Wenn Österreich seine Klimaziele bis 2030 nicht erfüllt, dann drohen uns Strafzahlungen. Dazu haben wir uns verpflichtet. Investieren wir doch dieses Geld schon jetzt in Maßnahmen, die nachweislich unseren CO2-Ausstoß senken und neue positive wirtschaftliche Impulse bei uns auslösen“, so Hesoun.

Dem FEEI-Obmann schweben hier neben den notwendigen Investitionen in die Energie- und Verkehrs-Infrastruktur, Effizienzsteigerungen auf Seiten der Verbraucher mittels Smart Grids und Speichersysteme, sowie alternative Stromerzeugung. Hesoun will damit Österreich weltweit als Leitmarkt für Umwelttechnologien etablieren.

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