Dienstag, 11. August 2020
Hintergrundkommentar E&W 1-2/2019 - Wie gehen wir mit Veränderungen um?

Neues Jahrzehnt – neues Glück?

Hintergrund | Dominik Schebach | 09.02.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Anlässlich des Beginns der 20er-Jahre (des 21. Jahrhunderts natürlich) hat die E&W-Redaktion ein wenig in die Glaskugel geblickt (siehe Seite 8). Uns ging es um die wirtschaftlichen, technischen aber auch politischen Trends, die in den kommenden Jahren Einfluss auf unsere Branche haben werden. Diese alleine sind aber nur die eine Hälfte der Gleichung, genauso wichtig wird sein, wie wir mit diesen Trends umgehen werden.

Besonders stark gilt das natürlich für alle Aspekte des E-Commerce. Wir können diese Entwicklungen nicht rückgängig machen, die Konkurrenz der Online-Händler wird nicht über Nacht verschwinden, im Gegenteil, sie wird weiter zunehmen. Sie werden ihr Geschäftsmodell immer weiter perfektionieren und neue Technologien wie KI oder Drohnen so weit wie möglich ausreizen. Aber auch andere Entwicklungen – wie zB die Überlegungen zu Pfandsystemen im Handel – berühren die Branche in ihrem Lebensnerv. Angesichts dieser Herausforderungen mag man sich nun die goldenen Zeiten des Elektrohandels zurückwünschen. Bevor man allerdings in der Nostalgie über die gute alte Zeit schwelgt, sollte man sich kurz überlegen, warum diese Zeiten in der Erinnerung so gut erscheinen. Wenn wir die vergangenen 50 Jahre zurückspulen, dann hatte der Elektrohandel immer dann seine starken Phasen, wenn er mit neuen Produkten und Services einen großen Bedarf bei den Kunden getroffen hat, ob das nun die Einführung neuer TV-Technologien (von Farbe über SAT bis Flat-TV), HiFi, moderne Haushaltsgeräte oder Mobilkommunikation und Digitalfotografie waren. In jedem Fall weckten die Produkte neue Begehrlichkeiten bei den Endkunden.

Zum Beginn des neuen Jahrzehnts stellt sich die Frage: Welche Begehrlichkeiten werden derzeit beim Kunden geweckt? Eine offensichtliche Antwort für die eine, alles bestimmende Produktgruppe im Handel drängt sich nicht auf. Aber deswegen muss man nicht die Flinte ins Korn werfen, denn sind die Kunden wirklich schon so gesättigt, dass man sie nicht mehr für neue Produkte begeistern kann, oder sind die Online-Giganten wirklich so omnipräsent, dass sie sofort jede neue Chance für den stationären Fachhandel vermiesen? Ich glaube nein. Vielmehr sehe ich einen sehr facettenreichen Markt mit vielen Nischen entstehen.

Man muss sich deswegen nicht hektisch ins Getümmel stürzen, ein pragmatischer und konsequenter Zugang ist da zielführender. Aber man muss offen für Neues sein. Das E&W-Team hatte in den  vergangenen Monaten wieder die Chance, mit vielen Händlern sowie Vertretern der Kooperationen und Industrie zu sprechen, die solch einen pragmatischen Zugang an den Tag legen – im Umgang mit neuen Technologien genauso wie bei der Entwicklung von Marken oder Geschäftsideen, sowie mit einem festen Blick auf ihre Nische bzw Positionierung am Markt. An einigen Eckpunkten kommt man heute allerdings in der Branche nicht herum: Begriffe wie Vernetzung, Smart Home oder Digitalisierung und die dazugehörigen Services dürfen für den Handel nicht bloße Schlagworte sein. Das wäre ungefähr so, als hätte man vor 50 Jahren die Einführung von Farb-TVs als unnötig abgetan.

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