Mittwoch, 23. September 2020
Gfk und gfu betrachten den globalen Consumer und Home Electronics Markt

Technischer Konsumgütermarkt: „Widerstandsfähig in der Pandemie“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 03.09.2020 | |  
GfK und IFA-Veranstalterin gfu nahmen die Entwicklungen im globalen Consumer und Home Electronics Markt im ersten Halbjahr 2020 unter die Lupe und informieren nun anlässlich der Special IFA über die Ergebnisse.

Der globale Markt für technische Konsumgüter (ohne Nordamerika und Südafrika) verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 5,8% auf 306 Milliarden Euro. „Im Vergleich zu anderen Sektoren ist dieser Rückgang jedoch relativ gering“, sagen Gfk und gfu. „Durch die Digitalisierung und den Aspekt, dass sich Verbraucher während der Hochphase der COVID-19 Pandemie verstärkt zuhause aufhielten, stieg vor allem die Nachfrage nach Produkten für die eigenen vier Wände.“

Kai Hillebrandt, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu Consumer & Home Electronics GmbH, dazu: „Die Home Electronics-Branche hat sich während der Corona-Pandemie als sehr widerstandsfähig erwiesen. Mit rund 6% fiel der weltweite Umsatzrückgang in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zu anderen Branchen sehr moderat aus. Gründe dafür sind die Innovationskraft und die Tatsache, dass der Sektor Home Electronics eine Vielzahl von technischen Produkten für den Bereich stay@home anbieten kann, die in der Krise verstärkt nachgefragt wurden: Von Geräten für das Home Office und Home Schooling (work@home) bis hin zu Produkten für Unterhaltung (entertain@home), Essenszubereitung (eat@home), Reinigen, Waschen – sowie für Gesundheit und Wohlbefinden.”

Laut GfK Consumer Pulse Studie haben 83% der Befragten weltweit ihr Einkaufsverhalten im Zuge der COVID-19 Pandemie geändert. Außerdem zeigten sich von März bis Juni rund 78% der Verbraucher angesichts der Pandemie besorgt. Aktuell sorgen sich sogar 85% über die Auswirkungen von COVID-19 auf die Wirtschaft. „Ungeachtet der unvermeidlichen Schwierigkeiten für alle Märkte im ersten Halbjahr 2020, erwies sich der Markt für technische Konsumgüter als stabil und verzeichnete einen Rückgang von lediglich 5,8%. Verbraucher weltweit wandten sich der Technologie zu, um die Krise besser zu bewältigen“, so Hillebrandt.

Nevin Francis, GfK-Experte für technische Konsumgüter, dazu: „In den vergangenen Monaten, während der so genannten ‚Panikphase‘ bzw. ‚Anpassungsphase‘, konnte man aufgrund von Schließungen im Einzelhandel erhebliche negative Auswirkungen auf den Umsatz beobachten. Nach Ausbruch der Pandemie gab es eine klare Verschiebung der Nachfrage von ‚wollen‘ zu ‚brauchen‘. Das Leben fand verstärkt zuhause statt und die Nachfrage nach technischen Produkten in den Kategorien Office@home, Eat@home, Entertain@home und Clean@home stieg. Die grundlegenden Trends, die bei der Anschaffung nach wie vor ausschlaggebend waren, sind Performance, Simplification und Borderless Shopping sowie die Aspekte Gesundheit und Hygiene. Dies wird auch in der Phase ‚New Normal‘ weiterhin von Bedeutung sein.“

Office@home: „IT- und Office-Sektor verzeichnet Umsatzwachstum im ersten Halbjahr 2020“

Zu Beginn der Panikphase bestand ein vorrangiges Bedürfnis nach Kontinuität bei Arbeit und Ausbildung. Der IT- und Office-Sektor verzeichnete im März und April 2020 ein Umsatzwachstum von jeweils +15%. Im Vergleich dazu ging der Markt für technische Konsumgüter ohne IT und Office wertmäßig um -18% im März 2020, bzw. -24% im April 2020 zurück. Die Wochen zwischen dem 9. März und dem 5. April (Einleitung Lockdown) waren von Panikkäufen geprägt. Im Markt für technische Konsumgüter stiegen die Verkaufszahlen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien für Webcams um +297%, für Monitore um +120% sowie für Notebooks und Tablets um +62%. Dieser Trend setzte sich laut Gfk und gfu auch nach dem Lockdown fort und kombiniert mit der Nachfrage nach anderen technischen Konsumgütern für zuhause kam es zu einer „raschen Erholung“. GfK bezeichnet diese Phase als sogenannte „Revenge-Shopping-Phase“. Insgesamt konnte der IT-Sektor in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 weltweit ein Umsatzwachstum von +17,2% verzeichnen, während der Office-Sektor um +12,1% wuchs.

Eat@home: „Umsatzanstieg bei Gefriergeräten um +24,8% im ersten Halbjahr 2020“

Laut GfK Consumer Life Studie stimmen über die Hälfte der Verbraucher weltweit (53%) der Aussage zu „Ich bin immer auf der Suche nach Möglichkeiten, mein Leben einfacher zu gestalten“. Von besonderem Wert ist demnach die Zeitersparnis durch wegfallende Hausarbeiten. Während des Lockdowns („Panikphase“) horteten Verbraucher tiefgekühlte Lebensmittel, was den unmittelbaren Bedarf an Tiefkühlgeräten erhöhte und zu einem deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen führte. In den Wochen zwischen dem 2. und 22. März stieg beispielsweise der Absatz von Tiefkühlgeräten in Großbritannien um +317% und in Deutschland um +185%. Danach, in der „Anpassungsphase“, folgte eine stetige Nachfrage nach Geräten für die Lebensmittelzubereitung. In dieser Kategorie stiegen zwischen dem 23. März und dem 26. April die Verkaufszahlen in Deutschland um +28%. Der Trend „Eat@home“ blieb auch nach den Lockerungen bestehen, wie Gfk und gfu sagen. Während der „Revenge-Shopping-Phase“ stieg auch der Umsatz im Bereich Haushaltsgeräte, die der Zubereitung von Lebensmitteln dienen, um +24,8%. Dies wiederum führte zu einem Wachstum von +8,6% im gesamten Bereich der Haushaltskleingeräte. „Während neben Gefriergeräten auch andere Kategorien im Bereich Haushaltsgroßgeräte stark zulegten, wie zB. Mikrowellen (+36,8 %), verzeichnete der Sektor insgesamt einen Umsatzrückgang von –8,6%“, so die Studienautoren.

Entertain@home: „Starke Nachfrage bei Notebooks und IT-Zubehör; Gaming ebenfalls stark im ersten Halbjahr 2020“

Nachdem sich Verbraucher an den Alltag im Lockdown gewöhnt hatten, trat zügig das Unterhaltungsbedürfnis zuhause in den Vordergrund. Streaming-Sticks verzeichneten in einigen Ländern ein starkes Wachstum, beispielsweise um +54% in den Niederlanden in der Anfangsphase des Lockdowns. Auch der Absatz von Gaming-Notebooks stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 um +55%. Gaming-Monitore legten +62% zu. Der Absatz von Fernsehgeräten brach in den Wochen des Lockdowns zunächst stark ein, kehrte jedoch während der „Revenge-Shopping-Phase“ zu einem starken Wachstum zurück. Insgesamt gingen die Verkaufszahlen im TV-Markt um -3,6% zurück, allerdings mit starken regionalen Unterschieden. In Westeuropa und in den entwickelten Ländern Asiens stieg der Umsatz um 9% bzw. 13%, während dieser in den aufstrebenden Ländern Asiens (ohne China) um 19% und in China um 14% zurückging. Insgesamt verzeichnete der Bereich Unterhaltungselektronik inklusive „Foto“ einen Umsatzrückgang von -8,7%.

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