Freitag, 5. März 2021
„Die ganze Geschichte ist noch lange nicht vorbei“

Wendepunkt

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 07.02.2021 | Bilder | | 1  

Stefanie Bruckbauer
Anfang Februar ist „Maria Lichtmess“. Die Symbolik dieses „Lichttages“ passt in Zeiten von Covid, Pandemie und Lockdown-Müdigkeit wie nur selten zuvor ...

Vor wenigen Tagen war der 2. Februar. Im Kalender steht an diesem Datum „Maria Lichtmess“ eingetragen. Ein Tag, der früher von großer Bedeutung war – kirchlich, wie auch weltlich. So endet an diesem 40. Tag nach der Geburt Jesu laut Kirchenkalender endgültig die Weihnachtszeit. Die Dienstboten erhielten am 2. Februar den Jahreslohn in Geld und Naturalien. Sie konnten sich bei ihrem Dienstherrn neu verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln. Die Handwerker hörten an dem Tag auf bei Kunstlicht zu arbeiten und zur Feier des Tages gaben die Meister ihren Gesellen und Lehrlingen den Nachmittag frei. Zugleich begann um Lichtmess die Vorbereitung auf die neue Feldarbeit. Zahlreiche Bauernregeln zeugen davon.

Aber auch im Jetzt tut sich einiges ab diesem Tag. So markiert Maria Lichtmess die deutlich zunehmende Helligkeit. Der graue, endlos scheinende Jänner ist vorüber. Die Tage werden jetzt immer schneller länger, man spürt es deutlich. Ab Anfang Februar wird jeder Tag zwischen 3 und 4 Minuten länger hell sein. Bis Ende Februar werden wir rund 2 Stunden mehr Tageslicht haben als zu Beginn des Monats. Das lässt die Natur langsam aus dem Winterschlaf erwachen und führt den Frühling herbei. Es macht uns Menschen aktiver und lässt uns Glückshormone produzieren. Ein Vorgang, den wir aktuell brauchen wie ein Hungernder einen Bissen Brot, denn die letzten Monate waren grauer, düsterer als in den Jahren zuvor. Die Stimmung lag am Boden, die Motivation gleich neben ihr.

Maria Lichtmess gilt in vielerlei Hinsicht als WendepunktZufall, dass die Bundesregierung die Lockerungen am Tag vor dem 2. Februar verkündete? Immerhin passt die Symbolik des „Lichttages“ in Zeiten von Covid, Pandemie und Lockdown-Müdigkeit wie nur selten zuvor.

Die langersehnten Lockerungen nach dem dritten harten Lockdown wurden zwar verkündet und der Handel darf wieder aufsperren. Doch wir dürfen diesen Bonus nicht verspielen. Ich befürchte, dass zu viele Menschen diese vorsichtige Entspannung falsch interpretieren; dass zu viele Menschen glauben, die Pandemie ist vorbei. Das ist sie aber nicht. Auch Electrolux GF Alfred Janovsky (den wir für die E&W 1-2/ 2021 interviewten) stellt fest: „Viele Leute machen den Eindruck, als wäre ihnen die ganze Pandemie mittlerweile egal. Das ist es aber nicht. Die ganze Geschichte ist noch lange nicht vorbei.“ Und sie wird noch viel viel länger dauern, wenn die einen weiterhin in Massen feiern, auf Urlaub fahren und auf Abstand sowie Maske pfeifen, so tun als wäre alles normal und die Infektionszahlen damit nach oben treiben, während die anderen brav Zuhause ausharren, die Ausgangsperren aussitzen, auf Treffen mit Familie und Freunden verzichten und tun, was ihnen gesagt wird, damit wir den ganzen Wahnsinn endlich hinter uns lassen können. So kann das aber nicht funktionieren! Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass das ganze Projekt Pandemie-Bewältigung nur funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen? Es wird echt Zeit, dass bei jedem einzelnen der Groschen fällt. Insofern hoffe ich sehr, dass wir uns jetzt tatsächlich an einem Wendepunkt befinden.

Bilder
(Bild: g/ pixelio.de)
(Bild: g/ pixelio.de)

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