Donnerstag, 21. Oktober 2021
Viele Gesetze und Vorhaben in der Pipeline – Versorgungssicherheit bleibt im Fokus

E-Control: Das neue Vorstandsduo stellt sich vor

Energiezukunft | Wolfgang Schalko | 21.04.2021 | |  
Das neue Duo an der Spitze der E-Control: die Vorstände Wolfgang Urbantschitsch (li.) und Alfons Haber. Das neue Duo an der Spitze der E-Control: die Vorstände Wolfgang Urbantschitsch (li.) und Alfons Haber. (© Anna Rauchenberger / E-Control) Am 25. März 2021 hat das neue Vorstandsduo der E-Control, Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, seinen Dienst angetreten. Für die nächsten fünf Jahre werden die beiden die Geschicke der unabhängigen Regulierungsbehörde E-Control lenken.

„Die kommenden Jahre bringen auf den verschiedensten Ebenen große Herausforderungen und spannende Aufgaben mit sich. Die nächsten fünf Jahre sind dafür entscheidend, das Ziel der 100%igen Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2030 zu erreichen“, ist Wolfgang Urbantschitsch überzeugt. Der gebürtige Steirer steht bereits seit fünf Jahren an der Spitze der E-Control und weiß, wovon er spricht: „Wir haben bereits in den letzten Jahren gesehen, dass sich die Strom- und Gasmärkte massiv verändert haben und dies weiterhin tun. Das bringt auch für die Regulierungsbehörde neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich, denen wir uns gerne und mit viel Motivation stellen werden.

Das neue Vorstandsduo kennt sich bereits seit vielen Jahren, nachdem beide bereits in den Anfangsjahren der Strom- und Gasmarktliberalisierung bei der E-Control zusammengearbeitet haben. Die Vertrauensbasis und der gemeinsame Zugang zu den anstehenden Themen sind daher durchaus gegeben. „Mein Vorstandskollege Alfons Haber und ich haben ein sehr gutes Einvernehmen. Wir haben auch bereits einen Strategieprozess eingeleitet, der bis zum Abschluss natürlich noch etwas dauern wird, aber trotzdem haben wir bereits einige Themen und Schwerpunkte auf unserer Agenda, die in unserer fünfjährigen Funktionsperiode essenziell sein werden“, so Urbantschitsch.

Gesetze als Grundlage

Einige neue Gesetze stehen derzeit vor der Umsetzung, weitere kommen in naher Zukunft dazu. „Die Regierungsvorlage zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) wird gerade im Parlament diskutiert und wir rechnen mit einer baldigen Implementierung. Kern des EAG ist die Umsetzung der Erneuerbaren-Richtlinie und eine Umstellung des Fördermechanismus – mehr Markt bei der Vergabe der Fördermittel und beim Absatz der Energie ist die Devise. Damit sollte auch das 100%-Strom aus Erneuerbaren-Ziel bis 2030 realisiert werden. Das neue Gesetz hat große Auswirkungen auf das Kerngeschäft und die Aktivitäten der E-Control. Dazu zählen Themen wie Wettbewerb, neue Marktmodelle, Netzanschluss, Stromkennzeichnung und Regulatory Sandboxes.” Und Urbantschitsch fasst zusammen: „Die Energiemärkte befinden sich in der größten Umbruchphase seit der Liberalisierung – das erfordert eine aktive Regulierung. Die E-Control übernimmt die Verantwortung, die Rahmenbedingungen für die zukünftige Energieversorgung mit- und weiterzuentwickeln.“

Auch ein neues Energieeffizienzgesetz ist in Ausarbeitung. Damit wird die Energieeffizienz-Richtlinie umgesetzt. Vorstand Urbantschitsch betont: „Das Energieeffizienzgesetz ist wichtig, um allen daraus Verpflichteten eine klare Orientierung und Rechtssicherheit zu geben.“ Die genauen Details dazu sind gerade in Diskussion.

Wettbewerb bleibt zentrales Anliegen der E-Control

Der Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt in Österreich ist in den letzten Jahren immer mehr in Bewegung gekommen und den Wettbewerb weiter auszubauen bleibt ein zentrales Anliegen der E-Control. „Durch die im EAG vorgesehenen Energiegemeinschaften wird es hier zu einem neuerlichen Aufschwung kommen“, zeigt sich Urbantschitsch überzeugt. „In dem Zusammenhang ist es wichtig, die Rollen der neuen Marktteilnehmer genau zu definieren und einen regulatorischen Rahmen zu schaffen. Damit der Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten weiter gestärkt werden kann, wird die E-Control ein laufendes Marktmonitoring und eine vertiefte Beobachtung der neuen Energiemärkte durchführen. Ebenso muss auch bei neuen Marktteilnehmern das Unbundling konsequent überwacht werden. Dies umzusetzen sehen wir als unsere Aufgabe an.“

Erste Anlaufstelle für Konsumenten

Die E-Control hat sich in den vergangenen 20 Jahren als die Ombudsstelle für Kundinnen und Kunden etabliert, wenn es um Fragen zu Strom oder Erdgas geht. Dies gilt es zu festigen und auszubauen. „Die Fragestellungen in einer sich verändernden Energiewelt werden komplexer und bieten zunehmend mehr Erklärungsbedarf. Aktive Kundenbeteiligungen in Energiegemeinschaften kann es nur geben, wenn Konsumentinnen und Konsumenten über ihre Rechte und Möglichkeiten Bescheid wissen. Herausforderung dabei wird sein, dass die Kunden auch weiterhin die Übersicht behalten können. Auch für die meistgenutzte Applikation der E-Control, den Tarifkalkulator, stellen sich neue technische Herausforderungen – Stichwort dynamische Tarife, die es gilt, zeitnah umzusetzen“, betont Urbantschitsch.

Die E-Control sorgt mit ihren Services dafür, dass es Transparenz auf den Strom- und Gasmärkten gibt. „Im direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden bietet die E-Control Hilfestellungen an, die sich seit Jahren bewährt haben. Sei dies mit der Schlichtungsstelle, mit Beratungen an der Hotline, bei Messen oder in Gemeinden vor Ort und vor allem mit Informationen zum Beispiel zur Befreiung von den Ökostromkosten“, betont Urbantschitsch die Wichtigkeit der Konsumentenaktivitäten der Regulierungsbehörde.

E-Control als aktiver internationaler Player

Ob es die Umsetzung von Energiepaketen ist oder von Richtlinien – viele Entscheidungen, die die heimischen Energiemärkte betreffen, werden nicht in Österreich, sondern auf internationaler Ebene getroffen. Um an der Gestaltung des europäischen Regulierungsrahmens aktiv mitwirken zu können, engagiert sich die E-Control seit Jahren in den verschiedensten Gremien, vor allem bei ACER und CEER. Aber auch der bilaterale Austausch mit EU-Institutionen und nationalen Regulatoren steht auf der internationalen Agenda. Das europäische Engagement soll in den kommenden fünf Jahren beibehalten werden: „Nur wenn wir auf internationaler Ebene eine Rolle spielen, können wir die Interessen der heimischen Strom- und Gaskundinnen und -kunden wahrnehmen und Themen aktiv mitgestalten“, so Urbantschitsch.

Versorgungssicherheit bleibt Top-Thema

„Wir müssen uns in den nächsten Jahren nicht nur damit befassen, was zu tun ist, damit die Energie für alle Menschen leistbar bleibt, sondern uns vor allem damit beschäftigen, was zu tun ist, damit wir uns auch künftig auf die sichere Versorgung mit Energie verlassen können“, unterstreicht der neue Vorstand der E-Control, Alfons Haber, der über eine sehr hohe Expertise im Bereich Netz- und Systemintegration verfügt. „Hier stehen verschiedene Themen im Fokus, die es zu bearbeiten gilt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Umsetzung der Netzreserve NEU liegt im gesetzlich vorgegebenen Zeitplan und ist bereits so weit fortgeschritten, dass wir davon ausgehen können, im Herbst ausreichend kontrahierte Kraftwerke zu haben, damit das Übertragungsnetz weiterhin stabil betrieben werden kann. Das Neue besteht darin, dass nun erstmals gleichberechtigt auch Verbraucher, kleinere Produzenten und gewisse geografisch definierte ausländische Produzenten zur Netzstabilisierung in Österreich beitragen können.”

Der österreichische „Erzeugungspark“ ist sehr gut aufgestellt. Viele unterschiedliche Kraftwerke – verteilt über Österreich – tragen zu jeder Sekunde zur hohen Versorgungssicherheit bei. „Aufgrund der Nutzung der erneuerbaren Energien ist es wichtig, die Energie regional verteilt in Österreich zu erzeugen, zu speichern und über das Nutzerverhalten der Kunden jederzeit verfügbar über ganz Österreich bereitzustellen. Deswegen kommt den Netzen eine besondere Bedeutung zu“, ist sich Alfons Haber der Wichtigkeit bewusst. Und er betont: „Die Investitionen in die Netze in Österreich waren aufgrund des regulatorischen Rahmens schon bisher gut planbar und die E-Control wird darauf achten, auch zukünftig bedarfsgerechte Ausbaumaßnahmen zu gewährleisten.“

Neue Tarifstruktur wird noch transparenter

In den letzten 20 Jahren hat es zahlreiche Änderungen im Energiemarkt gegeben, die sich auch in der künftigen Struktur der Netztarife wiederfinden müssen. Die E-Control hat diese Entwicklungen bereits vor Jahren erkannt und beschäftigt sich seit Langem – das bereits bekannte Stichwort Tarife 2.1 – mit der Umgestaltung der Netzentgeltstruktur für den Strombereich. „Wir gehen davon aus, dass es nach dem Abschluss des aktuell diskutierten EAG-Gesetzespakets in absehbarer Zeit zu einer entsprechenden Umsetzung einer neuen Tarifstruktur auch durch gesetzliche Änderungen kommen kann. Der Themenblock wurde über mehrere Jahre mit zahlreichen Stakeholdern diskutiert und konsultiert. Die unterschiedlichen Sichtweisen der einzelnen Akteure sind daher bestens bekannt. Somit könnten etwaige Änderungen recht rasch umgesetzt werden“, zeigt sich Haber optimistisch.

Regulierungssysteme Strom- und Gas-Netzbetreiber

Im vergangenen Jahr wurde das Regulierungssystem für Gas-Fernleitungsnetzbetreiber für die Jahre 2021 bis 2024 festgelegt. Hier wird in absehbarer Zeit keine wesentliche Änderung zu verzeichnen sein. Allerdings läuft mit Ende 2022 das aktuelle Regulierungssystem für Gas-Verteilernetzbetreiber aus. Jenes für Stromverteilernetzbetreiber ein Jahr später. „Wie die geänderten Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft in den Regulierungssystemen berücksichtigt wird, ist eine wesentliche Aufgabe der E-Control für die kommenden Monate und auch Jahre. Bei allen Überlegungen fließt mit ein, dass die Planungs- und Investitionssicherheit auch in Zukunft gewährt bleibt und die Netzbetreiber voll umfänglich ihren gesetzlichen Aufgaben zum sicheren Ausbau und Betrieb der Netze nachkommen können“, erläutert Haber.

Auch Gasmarkt muss erneuerbar und grün werden

„Wie erwähnt wird die Umsetzung des EAG weitreichende Auswirkungen haben. Im Gasbereich wird damit ein wichtiger Schritt für die Förderung und den Netzanschluss für Erzeugungsanlagen von erneuerbaren Gasen gesetzt. Mit der Einführung der Gaskennzeichnung und der Möglichkeit der Brennwertverfolgung zu einer verbesserten Abrechnung sind weitere Grundlagen für die Integration erneuerbarer Gase in die bestehende Gasinfrastruktur geschaffen worden“, zeigt Haber auf.

Die österreichische Gasinfrastruktur (Transportnetz und Speicher) spielt eine wesentliche Rolle in der europäischen Gaswirtschaft, zum einen als Transitroute, zum anderen aber auch für die regionale Versorgungssicherheit aufgrund der Gasspeicher. Daher ist für die weitere Entwicklung in Österreich der europäische Rechtsrahmen zur Dekarbonisierung des Gasmarktes maßgeblich. „Wir sehen das als zentrales Thema und als eine große Herausforderung in den nächsten Jahren“, so Haber.

Potenzial von Wasserstoff nutzen

Neben Biomethan, das Großteils lokal oder regional erzeugt und verbraucht wird, soll Wasserstoff – basierend auf der Erzeugung aus regenerativem Strom – eine maßgebliche Rolle zur Erreichung der Klimaziele zukommen. Derzeit wird der Aufbau einer europäischen und weltweiten Wasserstoffwirtschaft intensiv diskutiert. Eine Rolle spielen dabei unter anderem auch die Erzeugungsmöglichkeiten in Österreich und der Import von Wasserstoff. Einige EU-Länder haben bereits weitreichende Maßnahmen zur Unterstützung dieser Entwicklung angekündigt, auch die ersten rechtlichen Regelungen sind auf dem Weg.

Auf europäischer Ebene sind mit der Überarbeitung der Infrastruktur-Verordnung erste Regelungen in der Ausgestaltung. Mit Ende des Jahres wird die Überarbeitung der Gas-Richtlinie und Verordnung erwartet. „Die E-Control ist in den europäischen Gremien auf europäischer Ebene in den Diskussionen und in der Ausarbeitung von Positionen aktiv, beschäftigt sich aber auch auf nationaler Ebene intensiv mit diesem Thema.“

E-Control als unabhängiger Know-How Träger

Nicht nur inhaltlich gibt es für die nächsten fünf Jahre zahlreiche Pläne, sondern auch intern und für die Behörde als Institution. „Es ist für uns klar, dass die E-Control ihre Aufgaben vollkommen neutral und unabhängig erfüllen muss und wird und frei von Marktinteressen agiert. Wir verfügen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über hohe Expertise am Strom- und Gasmarkt und es gilt, dies weiter auszubauen und zu festigen. Ziel ist es, als aktive und starke Regulierungsbehörde zu agieren, die ihre Aufgaben gesetz- und zweckmäßig sowie im Sinne der heimischen Strom- und Gaskundinnen und -kunden wirtschaftlich sinnvoll umsetzt“, so Alfons Haber. Und er betont abschließend: „Um das Ziel, 100% Strom aus erneuerbaren Energien, zu erreichen wird es maßgeblich sein, Investitionssicherheit zu bieten, Innovationen zu ermöglichen, Infrastruktur auszubauen, Informationen zu liefern und die Integration der Erneuerbaren voranzutreiben. Ich freue mich sehr darauf, dies in den nächsten fünf Jahren aktiv mitzugestalten.“

Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

61 + = 69

An einen Freund senden