Freitag, 18. Juni 2021
„Profit und nachhaltiges Wirtschaften im Einklang“

Unito zwischen Werten und Wirtschaftlichkeit

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 04.06.2021 | |  
(Foto: Unito/ Simon Möstl) (Foto: Unito/ Simon Möstl) Die Umsätze steigen, die CO2-Emissionen sinken. „Klimaneutralität bis 2030“, so lautet das ehrgeizige Ziel der Unito-Gruppe, mit ihren Marken Universal, Otto Österreich und Quelle.

Die Otto Group schloss das Geschäftsjahr 2020/21 sehr erfolgreich ab. Die Umsätze der in mehr als 30 Ländern agierenden Handels-und Dienstleistungsgruppe konnten weltweit auf vergleichbarer Basis um +17,2% auf rund 15,6 Milliarden Euro gesteigert werden. Heruntergebrochen auf das österreichische Tochterunternehmen Unito (ua. Universal, OTTO Österreich, Quelle, LASCANA) gestaltete sich die wirtschaftliche Lage ähnlich erfolgreich: „Die Unito konnte mit einem Gesamtumsatz von 423 Millionen Euro erfolgreiche Bilanz ziehen und auf vergleichbarer Basis um +20% zulegen“, berichtet das Unternehmen.

Die Finanzkennzahlen stimmen also, sowohl global betrachtet als auch auf dem kleinen Markt Österreich. Wobei dieser für Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, gar nicht so klein ist: „Natürlich gibt es für die Otto Group größere und bedeutendere Märkte. Aber immerhin tragen allein unsere in Österreich ansässigen Konzernunternehmen – allen voran UNITO – knapp 3% zu den Gesamtumsätzen bei. Hinzu kommt, dass wir über den Konzern hinweg vom Austausch zwischen unseren verschiedenen Konzernunternehmen profitieren. Unito ist in vielen Bereichen sehr weit vorn – etwa bei digitaler Transformation und Nachhaltigkeit.“

Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. (Foto: Otto Group)

 

Im Fokus der Otto Group steht nicht nur wirtschaftlicher Erfolg, sondern auch nachhaltiges Wirtschaften im Sinne von Umwelt und Mensch, wie Birken ausführt. „Bereits 1986 begann man, ausgehend vom frühen Engagement des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Michael Otto, Umweltschutz als Unternehmensziel zu definieren. Die 2020 abgeschlossene Nachhaltigkeitsstrategie gab für den Klimaschutz als Ziel die Reduzierung der CO2-Emissionen um 50% auf Basis des Jahres 2006 aus. Dieses Klimaziel wurde schon ein Jahr zuvor und vollständig ohne Kompensationsmaßnahmen erreicht.

Im Unterschied zu Unternehmen, die ebenfalls Klimaneutralität für sich beanspruchen und dabei in erster Linie auf Kompensation über den zum Teil sehr günstigen Erwerb von Zertifikaten setzen, verstehen wir unter Klimaneutralität das Vermeiden sowie Reduzieren von Treibhausgas-Emissionen.“ Nach dieser Maxime agiere man auch bei der Unito-Gruppe, wie Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung, erklärt: „Wir bemühen uns seit Jahren, CO2-Emissionen zu verringern.“ Bis 2020 konnte Unito die gesamten umsatzbereinigten CO2-Emissionen im Vergleich zum Basisjahr 2006 um 74% senken. Kompensation von nicht vermeidbaren Emissionen sieht man als Möglichkeit, mittelfristige Klimaschutz-Maßnahmen früher wirksam zu machen. „Deshalb war es uns auch so wichtig, mit 1. Jänner 2021 bei all unseren Bestellungen die CO2-neutrale Zustellung umzusetzen“, fügt Gutschi hinzu.

Klimaschutz systematisch umsetzen

Das Prinzip „Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren“ setzt sich in der mit Beginn des Geschäftsjahres 2021/22 gestarteten neuen CR-Strategie der Otto Group fort. Im Themenfeld „Klima“ verpflichtete man sich auf das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein. Das bezieht sich auf eigene Standorte, Transporte, Mitarbeiter-Mobilität und externe Rechenzentren sowie Cloud-Dienstleistungen gleichermaßen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Birken gelte es, Klimaschutz systematisch umzusetzen – von der Reduzierung der Luftfracht durch Verlagerung auf Schiff sowie Bahn bei Beschaffungstransporten über den verstärkten Einsatz von Elektromobilität auf der letzten Meile bis hin zur Intensivierung der Treibhausgas-Einsparmaßnahmen an den eigenen Standorten. „Uns ist bewusst, dass in Produktionsprozessen weiteres Potenzial liegt, negative ökologische Auswirkungen zu reduzieren. Deshalb haben wir bereits erste Projekte initiiert, um unsere Lieferanten durch Energiesparmaßnahmen dabei zu unterstützen, den Treibhausgas-Ausstoß im Produktionsprozess zu reduzieren, und wir investieren in innovative Technologien wie etwa der Färbetechnik CleanDye“, ergänzt Birken.

NachhaltigesLebenerleichtern

Harald Gutschi, Geschäftsführer der Unito Gruppe. (Foto: Unito/ Simon Möstl)

Die Dringlichkeit weitreichender Klimaschutzmaßnahmen zeige sich laut Birken auch daran, dass Kunden ihre Kaufentscheidung zunehmend an nachhaltigen Kriterien ausrichten. Die fünfte Trendstudie der Otto Group zu ethischem Konsum ergab: 70% der Befragten sehen ethische Kriterien als festen Bestandteil ihrer Kaufentscheidung. Deshalb hat man bei Unito auch verstärkt die Konsumenten im Fokus. „Wir wollen es unseren Kunden so leicht als möglich machen, ihr Zuhause nachhaltiger zu gestalten, nachhaltiger zu leben und zu handeln“, stellt Gutschi fest. So wurde etwa das 2019 bei OTTO Österreich lancierte Projekt „Mieten statt kaufen“, eine Kooperation mit dem Berliner Start-up Grover, intensiviert und auch für die Marken Universal und Quelle umgesetzt. „Das Mieten von Technikprodukten schont Ressourcen und reduziert Elektroschrott“, sagt Gutschi. Zudem arbeitet man intensiv am Ausbau nachhaltiger Sortimente. Vom Engagement der Otto Group im Bereich nachhaltiger Materialien profitieren auch Unito-Kunden, wie Gutschi ausführt: „So werden bis 2025 bei Eigen- sowie Lizenzmarken 100% der verwendeten Hölzer FSC-zertifiziert und 100% der verwendeten Baumwolle nachhaltig sein. Bis 2023 bestehen 100% der Verpackungen aus nachhaltigen Materialien.“

Unito verlasse sich aber nicht nur auf das Engagement des Konzerns. So habe man im Herbst 2021 bei OTTO Österreich erstmals nachhaltige Dirndl aus Biobaumwolle im Sortiment. Ebenfalls noch 2021 soll die deutlichere Kennzeichnung nachhaltiger Produkte in allen Unito-Onlineshops umgesetzt werden. Jedes Produktbild soll farblich hinterlegt das Label „Nachhaltig“ tragen, auf der Artikeldetailseite folge die Erklärung, ob es sich um ein energieeffizientes Gerät, Möbel aus FSC-Holz, Kleidung aus Cotton-made-in-Africa-Baumwolle etc. handelt, wie Unito erklärt.

Profit an nachhaltiges Wirtschaften koppeln

Aber wie schafft man es als weltweit agierendes Unternehmen mit rund 50.000 Mitarbeitenden, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und zugleich aufrichtig verantwortlich zu agieren? Birken: „Das Verhältnis zwischen Werten und Wirtschaftlichkeit muss abgewogen werden. Nachhaltigkeit ist die Kernfrage unserer Zeit. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen, die nicht auf Nachhaltigkeit setzen, künftig nicht bestehen werden. Konsumenten treffen ihre Kaufentscheidung zunehmend danach, welches Unternehmen das nachhaltigere Angebot hat und ihre eigenen Werte am ehesten spiegelt. Ich bin der Meinung, dass Profit zunehmend an nachhaltiges Wirtschaften gekoppelt sein wird.“

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