Freitag, 24. September 2021
Editor's Choice„Verluste von fast 1 Millionen Euro“

Lieferengpässe: „Keine Hoffnung auf schnelle Besserungen“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 16.06.2021 | |  
Eine Umfrage von reichelt elektronik zeigt ua: Bei 86% der Befragten kam es aufgrund von Lieferengpässen seit Beginn 2020 zu Produktionsstillständen in ihrem Unternehmen. (Grafik: reichelt elektronik) Eine Umfrage von reichelt elektronik zeigt ua: Bei 86% der Befragten kam es aufgrund von Lieferengpässen seit Beginn 2020 zu Produktionsstillständen in ihrem Unternehmen. (Grafik: reichelt elektronik) Eine Umfrage von reichelt elektronik zeigt, welche Folgen die globale Ressourcenknappheit und Lieferengpässe für österreichische Unternehmen haben und welche Maßnahmen sie in der Krise ergreifen.

Seit letztem Jahr sind die Lieferketten weltweit immer instabiler und anfälliger geworden. Der Nachschub von essenziellen Komponenten wie etwa MikroChips oder auch einzelnen Rohstoffen ist ins Wanken geraten und auch österreichische Unternehmen leiden unter den Folgen. Eine von reichelt elektronik in Auftrag gegebene Umfrage zeigt welche Auswirkungen Lieferengpässe auf österreichische Unternehmen haben und wie sie der Krise trotzdem die Stirn bieten.

86% der Befragten bestätigen, dass es aufgrund von Lieferengpässen seit Beginn 2020 zu Produktionsstillständen in ihrem Unternehmen kam. Gründe seien verspätete Lieferungen oder fehlenden Komponenten. Knapp ein Drittel der betroffenen Unternehmen (28%) musste sogar einen Produktionsausfall von mehr als einen Monat in Kauf nehmen.

„Jeder Tag, den die Maschinen stillstehen, kostet die Unternehmen immense Summen“, sagt reichelt elektronik. „Kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeiter hatten mit einem Minus von durchschnittlich knapp 700.000 Euro zu kämpfen. Größenübergreifend ergab die Umfrage, dass die befragten österreichischen Betriebe seit Januar 2020 Verluste im Durchschnitt in Höhe von 939.000 Euro verzeichneten. Fast ein Drittel hat mindestens 500.000 Euro an Umsatz eingebüßt.“

Darüber hinaus erlebte die Produktion weitere negative Folgen der krisengebeutelten Supply Chain. In der Umfrage bestätigen 35%, dass die Preise für bestimmte Komponenten deutlich anstiegen. Gut ein Drittel (39%) gab an, dass die Produktion zwar nicht stillgelegt werden musste, aber doch mit deutlichen Verzögerungen zu rechnen war. Ganze 46% der befragten Unternehmen mussten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, während knapp ein Fünftel (19%) sich sogar gezwungen sah, Arbeitskräfte zu entlassen.

„Keine Hoffnung auf schnelle Besserungen“

Fast 60% hoffen, dass sich die Lage auf dem Markt in den nächsten 12 Monaten entspannt. 29% hingegen sehen keinen Hoffnungsschimmer am Horizont und rechnen damit, dass sich auch innerhalb eines Jahres nichts ändern wird. Als Faktoren, die die Versorgung mit Komponenten und Materialien weiterhin belasten könnten, werden vor allem der Mangel an begehrten Rohstoffen (46%), eine steigende Nachfrage nach bestimmten Komponenten (43%) und die Möglichkeit von zukünftig vermehrt auftretenden Pandemien (37%) genannt.

Daher haben viele Unternehmen sich intensiv mit Möglichkeiten und Wegen durch die Krise auseinandergesetzt, wie reichelt sagt. „Besonders verlässlich schneiden dabei Distributoren als Bezugsquelle ab. Hier gab die Hälfte (51%) der Befragten Entscheider an, dass ihr Unternehmen nun Distributoren als Lieferanten für Komponenten und Güter nutzt, um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Krise sind eine höhere Lagerhaltung der entsprechenden Teile (49%) und der Bezug direkt beim Hersteller (35%). Mehr als ein Fünftel (23%) ist sogar dazu übergegangen, kritische Komponenten selbst herzustellen.“

Um für zukünftige Lieferengpässe gut aufgestellt zu sein, streben Unternehmen an, grundsätzlich mehr Vorräte anzulegen (45%) und mehr Komponenten lokal zu beziehen (34%). Weitere 31% wollen gar ihr Produktportfolio anpassen.

Doch Unternehmen seien in ihrem Einflussbereich auch eingeschränkt, wie reichelt ausführt. „Hier liegt es auch in der Verantwortung der Regierung die österreichische Wirtschaft zu stärken und krisenresistenter zu machen. So wünschen sich beispielsweise 41% der befragten Unternehmen, dass die Politik mehr Mittel und Förderung in die Forschung von Zukunftstechnologien und die Produktion essenzieller Komponenten steckt. In Handelsfragen sehen zwei Fünftel (40%) eine Notwendigkeit für mehr Zusammenhalt in der EU gegenüber anderen Handelspartnern.“

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