Samstag, 21. Mai 2022
RegioData: Auswirkungen von Corona auf die Kaufkraft. -2,6%

„Vorkrisenniveau aus heutiger Sicht erst Ende 2023 erreicht“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 18.06.2021 | |  
Im Pandemiejahr 2020 blieben den Österreichern im Durchschnitt 22.753 Euro zur Verfügung. „Mit diesem Wert liegen die Österreicher innerhalb der Eurozone nach Luxemburg weiterhin an zweiter Stelle“, sagt RegioData. (Grafik: RegioData) Im Pandemiejahr 2020 blieben den Österreichern im Durchschnitt 22.753 Euro zur Verfügung. „Mit diesem Wert liegen die Österreicher innerhalb der Eurozone nach Luxemburg weiterhin an zweiter Stelle“, sagt RegioData. (Grafik: RegioData) Corona löste eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit vielen Jahrzehnten aus, sagt RegioData und zeigt in einer Analyse auf, dass sich sich die Kaufkraft der Österreicher dennoch um „nur“ 2,6% verringert hat. „Doch so schnell wie manche hoffen, wird das Vorkrisenniveau wohl nicht erreicht werden können“, sagt RegioData.

Im „Seuchenjahr“ 2020 blieb jedem Österreicher im Durchschnitt noch 22.753 Euro zur Verfügung. Das zeigt die aktuelle Kaufkraftanalyse von RegioData. Mit diesem Wert liegen die Österreicher innerhalb der Eurozone nach Luxemburg weiterhin an zweiter Stelle, sogar noch etwas vor der Bundesrepublik Deutschland. Damit hatten die Österreicher zwar um 2,6% oder umgerechnet 584 Euro weniger als noch im Jahr zuvor, aber der Rückgang sei Dank der staatlichen Hilfen vor allem für die Unternehmen „keineswegs so dramatisch, wie es die Entwicklung der Volkswirtschaft mit minus 6,3% befürchten ließ“, so RegioData und: „Berücksichtigt man die Inflationsrate, ist der Rückgang der (realen) Kaufkraft entsprechend höher, nämlich minus 4%.“

Regionale Unterschiede steigen wieder

Die regionalen Unterschiede in der Kaufkraft der österreichischen Wohnbevölkerung wurden seit Jahren kontinuierlich geringer. Nun hat sich dieser Trend coronabedingt wieder umgekehrt, wie RegioData berichtet. „Vor allem periphere Gebiete mit hoher Tourismusintensität hatten starke Einbußen hinnehmen müssen. Auf Bundeslandebene haben Tirol (minus 742 Euro pro Einwohner) und Salzburg (minus 711 Euro pro Einwohner) die stärksten Rückgänge bei der durchschnittlichen Kaufkraft. Hier macht sich auch das komplette Fehlen der ausländischen Touristen im Einkommen der Wohnbevölkerung bemerkbar. Die geringsten Einbußen hatte das Burgenland (minus 458 Euro pro Einwohner).“

Verschiebungen

Wie die Analyse zeigt, haben sich haben sich die Beiträge der verschiedenen Einkommensarten zur gesamten Kaufkraft der Bevölkerung insgesamt verschoben: Während etwa die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gestiegen sind (immer mehr Österreicher kauften sich eine Anlegerwohnung und konnten damit Mieterträge erzielen) sind die Einkünfte aus selbständiger Arbeit je nach Berufsgruppe teilweise dramatisch gesunken. Einen deutlich höheren Beitrag liefern auch die Transferzahlungen an die Einwohner: Arbeitslosenunterstützung, Beihilfen, etc.. „Individuell hatte – und hat – die Pandemie höchst unterschiedliche Auswirkungen. Während etwa Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes keine finanziellen Einbußen hinnehmen mussten, gab es im Jahr 2020 bei Selbständigen, Freiberuflern, Künstlern etc. durchaus dramatische individuelle Einkommenseinbußen von 80% und mehr – trotz staatlicher Hilfen“, sagt RegioData.

Verwendung

RegioData sagt: „Einkaufen ist in Coronazeiten nicht so lustig oder gar verboten, trotzdem sank das Einzelhandelsvolumen (ausgenommen KFZ und Treibstoffe) in Österreich nicht. Aber auch hier gibt es starke Unterschiede nach Branchen: Starke Umsatzzuwächse bei Lebensmitteln wegen Home-Office und der geschlossenen Gastronomie, aber viel weniger bei Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Schmuck etc.. Insgesamt geben die Österreicher knapp 30% ihrer Kaufkraft für den Einzelhandel (ausgenommen KFZ und Treibstoffe) aus. Was zu erwarten war: Im Jahr 2020 gab es Rückgänge in der Gastronomie um 60% und um 40% bei Urlaubsreisen. Und was machen die Österreicher mit dem übriggebliebenen Geld? Sparen. Die Sparquote hat sich im Coronajahr 2020 fast verdoppelt und beträgt aktuell 14,5% der verfügbaren Kaufkraft.“

Ausblick zeigt nur langsame Erholung

Laut RegioData sei aus heutiger Sicht nach weiterem Verlauf der Pandemie für 2021 ein Wirtschaftswachstum von ca. 2,0% bis 2,5% zu erwarten, wobei das Maß der Erholung stark vom Anspringen des (internationalen) Tourismus, der bei uns immerhin über 7% zum Bruttoinlandsprodukt beitrage, abhängig sei. „Die Entwicklung der Kaufkraft der Bevölkerung reagiert in der Regel kaum zeitverzögert auf die wirtschaftlichen Veränderungen, und so kann aus heutiger Sicht eine Zunahme der Kaufkraft für 2021 von + 4,0% angenommen werden. Unter der Annahme einer Inflationsrate von 2,5% ergäbe sich für das laufende Jahr ein realer Kaufkraftzuwachs von durchschnittlich 1,5%, womit bei weitem noch nicht dem Vorkrisenniveau von 2019 erreicht wäre. Das wäre aus heutiger Sicht erst Ende 2023 der Fall.“

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