Freitag, 19. August 2022
Eine österreichische Momentaufnahme

Hat das Glück einen Vogel?

Über den Rand | Wolfgang Schalko | 22.05.2022 | BilderDownloads | |  Meinung
Das Kleeblatt ist der am häufigsten genutzte Glücksbringer. Das Kleeblatt ist der am häufigsten genutzte Glücksbringer. (© Angelika Koch-Schmid / pixelio.de) Wie Kollegin Steffi Bruckbauer in ihrem Beitrag sehr augenscheinlich darlegt, gibt es ja tatsächlich praktisch nichts mehr, das nicht in irgendwelchen Studien oder Statistiken vermanscht wird. Dahingehend habe ich mit erhöhter Aufmerksamkeit immer schon die sog. „Glücksforschung” verfolgt, die mit mehr oder weniger tauglichen Versuchen und Fragestellungen probiert, ein höchst subjektives Gefühl allgemein vergleichbar zu machen. Nachfolgend ein kurzer Blick auf den „Glücks-Report 2022” garniert mit etwas Schalko'schem Senf.

Was jeder Einzelne von uns als Glück empfindet, mag zwar höchst unterschiedlich sein. Auch gibt es weder eine Anleitung zum Glücklichwerden noch eine Definition von Glücklichsein – und doch wird eifrig zum Thema Glück (oder dem gerne als Synonym verwendeten Begriff der Lebenszufriedenheit) geforscht. Glaubt man einschlägigen Studien, so ist die Lebenszufriedenheit erstaunlicherweise dort am höchsten, wo die Menschen weniger auf Materielles fixiert sind als in unseren Breiten (und natürlich in Skandinavien, aber die Nordeuropäer schneiden bekanntermaßen überall gut ab). Führt man sich Aspekte wie Wohlstand, Sicherheit und Lebensqualität in Österreich vor Augen, sollte man meinen, dass es hierzulande im Wesentlichen keinen Grund zu meckern geben dürfte. Inwieweit das tatsächlich zutrifft und ob bzw. welche Auswirkungen die Covid-Pandemie auf das Glücksempfinden in Österreich hatte, wurde vom Online Research Institut Marketagent für den Glücks-Report 2022 erhoben.

So glücklich ist Österreich

Jeder zweite Österreicher würde sich derzeit als „sehr glücklich“ bezeichnen – vor allem Verheiratete. Dass Geld nicht glücklich machen würde, können die Österreicher nicht bestätigen: Personen mit einem Einkommen über 3.000 Euro geben öfters an, sehr glücklich zu sein – im Gegensatz zu Personen in Haushalten mit einem Nettoeinkommen unter 2.000 Euro.
Nur 1,6% der Österreicher bezeichnen sich als kaum zufrieden mit ihrem Leben. Überraschend dabei: Gegenüber 2015, als Marketagent die „Glücks-Erhebung” schon einmal durchführte, haben sich die Glückswerte kaum verändert. Trotz Covid-Pandemie ist die heimische Bevölkerung im Großen und Ganzen glücklich mit ihrem Leben geblieben.

Besonders zufrieden sind die Österreicher mit der Wohnsituation, der Familie und dem persönlichen Umfeld. Am wenigsten Zufriedenheit herrscht mit der finanziellen Situation, die nur für etwa die Hälfte der Befragten zufriedenstellend ist.

Welche Faktoren für ein glückliches Leben bedeutend sind, wird von den Österreichern erstaunlich einhellig beurteilt: Ganz oben auf der Liste steht hier für neun von zehn die Gesundheit. Auch das Wiedergesundwerden nach einer Krankheit stellt für 88% einen wichtigen Faktor dar und 86% können sich ein glückliches Leben nicht ohne Humor vorstellen. Dass sie ein anderer Beruf oder ein jugendlicheres Aussehen glücklicher machen könnte, glauben hingegen jeweils nur zwei von zehn Befragten.

Als das mit Abstand glücklichste Ereignis im Leben nennen die Österreicher die Geburt des Kindes bzw. der Kinder – was ich als dreifacher Vater nur voll und ganz unterstreichen kann!

An eine „gerechte Verteilung” von Glück glaubt übrigens nur knapp ein Viertel, während fast 40% meinen, es gebe sog. Glückskinder, die einfach mehr Glück hätten als andere. An der Frage, inwieweit jeder selbst seines Glückes Schmied sei, scheiden sich die Geister:
Im Schnitt glaubt man hierzulande, dass 53% des Glücks selbst bestimmt werden kann, die restlichen 47% werden als vorherbestimmt angesehen. Immerhin 60% versuchen zumindest gelegentlich ihr Glück beim Lottospielen.

In die Zukunft blicken die Österreicher jedenfalls optimistisch: 93% glauben, dass sie in fünf Jahren zumindest gleich glücklich (66%) oder sogar glücklicher sein werden als jetzt (27%) – wobei die jüngere Generation (14-29 Jahre) besonders große Hoffnungen hegt.

Selbstfindung

Ich persönlich halte den Wert solcher Studien ja grundsätzlich für überschaubar. Warum man sie sich dennoch immer wieder zu Gemüte führt, ist (zumindest kann ich das für mich sagen) eine Form der Neugier, die man auch als „Sozialvoyeurismus” bezeichnen könnte: Im Wissen, dass es sich beim Glücks-Report um eine repräsentative Erhebung handelt, erfolgt eine Selbsteinordnung. Und natürlich passiert unwillkürlich ein Abgleich, wie man das persönliche Befinden einschätzt und wo man anhand der sozioökonomischen Daten stehen sollte. Test gefällig? – im beigefügten PDF des Glücksreports bietet sich die Gelegenheit dazu.

Hohes Wiedererkennungspotenzial birgt auch eine andere Untersuchung, die Marketagent vor einigen Wochen durchgeführt hat: Darin wurde erfragt, ob „Always On” eher digitales Glück oder lästige Reizüberflutung sei (ebenfalls als PDF beigefügt). Demnach könnte die Mehrheit der Österreicher problemlos für eine Woche dem Alkohol (87%), Sex (57%), Fleisch (54%) oder Sport (53%) entsagen, Handy und Internet sind hierzulande hingegen quasi unverzichtbar geworden: Nur rund jeder Achte (13%) kann sich vorstellen, sieben Tage lang ohne sein Mobiltelefon und den Zugriff auf das WWW auszukommen. Damit liegen diese Devices bzw. Services in der Wichtigkeit mittlerweile gleichauf mit der Familie (13%).

7 von 10 Österreichern (!!) können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Für drei Viertel der Befragten ist „Offline-Sein“ mittlerweile zum Luxusgut geworden.

Wie man es also auch dreht und wendet: Es ist schon eine ganz eigene Sache mit dem Glück. Äußerst treffend formulierte dazu der deutsche Offizier und Schriftsteller Arthur Maria Freiherr von Lüttwitz (1829 – 1924): „Wer ist denn glücklich? Glücklich ist der, den der Schuh nirgends drückt! Da man aber das Nichtdrücken des Schuhs nicht empfindet, so weiß man nicht, wann man glücklich ist.”

Bilder
Das Kleeblatt ist der am häufigsten genutzte Glücksbringer.
Das Kleeblatt ist der am häufigsten genutzte Glücksbringer. (© Angelika Koch-Schmid / pixelio.de)
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Glücks-Report 2022
Studie Always-on 2022
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