Freitag, 19. August 2022
Von den Tücken der Digitalisierung

Wechselfaule Gewohnheitstiere

Über den Rand Telekom | Dominik Schebach | 22.05.2022 | Bilder | |  Meinung
Bei der Nutzung digitaler Dienste sind die Österreicher wechselfaule Gewohnheitstiere. Bei der Nutzung digitaler Dienste sind die Österreicher wechselfaule Gewohnheitstiere. (© Erwin Lorenzen/pixelio.de) Vergangene Woche veröffentlichte die RTR eine Studie, laut der die Österreicher äußerst „wechselfaul“ sind. Bei Messengern, Brownsern oder Suchmaschinen legen die Österreicher eine gewisse Behäbigkeit an den Tag. Gewohnheit und Vorinstallation entscheiden demnach oft über die Nutzung diverser Services, während Überlegungen wie Datenschutz für die Österreicher kaum eine Rolle spielen. Einzig bei Handytarifen werden die Konsumenten etwas aktiver.

Ich höre immer wieder die Klage, dass der Markt für Browser, Suchmaschinen oder Messenger nur von wenigen Anbietern dominiert werde. Obwohl zahlreiche Alternativen auch am Smartphone zur Verfügung stehen, entscheiden sich viele Österreicher immer wieder für dieselben Anbieter: Amaton, Apple, Alphabet, Meta und Microsoft. So ist WhatsApp beispielsweise in Österreich weiterhin Marktführer bei Messengern, trotz der großen Bedenken, die viele Leute ob der Sicherheit ihrer Daten äußern. Und man beklagt gerne die Vormachtstellung der Google-Mutter Alphabet, dennoch sind Chrome bei den Browsern und Google bei den Suchmaschinen weiterhin Marktführer.

Die Gründe dafür sind laut RTR vielfältig. Bei den Internet-Browsern entscheiden Gewohnheitseffekte und Vorinstallation über die Auswahl des Browsers. Sprich Google Chrome und Safari dominieren. Firefox-User installieren dagegen ihre Browser meisten selbst und geben für die Nutzung Datenschutz- oder Sicherheitsaspekte an. Deswegen sollte es uns auch nicht verwundern, dass im vergangenen Jahr nur 8% der österreichischen Internet-User den Browser gewechselt haben.

Herdentrieb

Das korreliert mit einem gewissen Herdentrieb bei der Nutzung von Messengern. Denn für die Auswahl des hauptsächlich verwendeten Messengers spielt das persönliche Netzwerk die entscheidende Rolle. Sprich, wo die Freunde sind, dieser Messenger wird verwendet. Was auch die Dominanz von WhatsApp begründet. Wird doch gewechselt, dann meistens aus Bedenken zum Datenschutz und Sicherheit oder – in Ausnahmefällen – wegen neuer innovativer Funktionen. Dies war allerdings nur für 6% der befragten Österreicher im vergangenen Jahr der Fall, während der Rest aus Gewohnheit oder wegen des persönlichen Netzwerks keine Veränderung beim bevorzugten Messenger vorgenommen hat.

Nur Bares ist Wahres

Wenn es allerdings ums Geld geht, dann werden die Österreicher aktiv. Immerhin 19% der befragten Österreicher haben nach den Erhebungen der RTR im vergangenen Jahr den Anbieter gewechselt und Preis war in diesen Fällen das wichtigste Kriterium – besonders für die Kunden von kleineren Anbietern.

Als höchste Wechselbarriere wurde hier der Aufwand zur Rufnummernmitnahme angegeben. Sollte dies das größte Hemmnis sein, können wir in den kommenden Jahren eine verstärkte Wechseltätigkeit zwischen den Betreibern erwarten. Denn die erleichterte Rufnummernmitnahme räumt hier wohl die letzten Hindernisse aus dem Weg.

Handfeste Gründe

Alles in allem legen die Ergebnisse der Untersuchung aber nahe, dass sich die Mehrheit der Österreicher nur von handfesten Gründen aus der Spur bringen lassen. Sprich die Karotte muss sichtbar und leicht verständlich, der Nachteil der Untätigkeit klar zu beziffern sein, dann wird der Österreicher aktiv. Nicht sofort greifbare Nachteile spielen dagegen bei den Entscheidungen der Konsumenten kaum eine Rolle. Ob die Nachteile nicht wahrgenommen, nicht verstanden, verdrängt oder rationalisiert werden, wurde in der Umfrage der RTR leider nicht erhoben.

Daraus folgt für mich, dass die Österreicher zwar gerne über die Macht der Internetkonzerne und Datenschutzprobleme jammern, sich aber nicht die Mühe machen, ihre Gewohnheiten zu ändern. Der Aufwand, die Qualität, Sicherheit, Datenschutz oder Kompatibilität einzelner Dienste zu beurteilen, ist offensichtlich zu groß.

Bequemlichkeit siegt

Ein häufig gebrachtes Argument in diesem Zusammenhang ist, dass die Endverbraucher den Weg des geringsten Widerstands wählen. Bequemlichkeit siegt. Und da die großen Internetkonzerne in der Regel einen guten Job machen, während die potenziellen Nachteile sich nicht sofort in handfesten Zahlen ausdrücken lassen, bzw. nur von einzelnen Geeks gesehen werden, ist der Druck zum Wechseln auch nicht besonders groß.

Ein anderes Argument ist, dass die Benutzer es häufig einfach nicht wissen. Das finde ich allerdings zumindest problematisch. Während die Smartphones immer leistungsfähiger und Dank KI „intelligenter“ werden, verlieren immer mehr User den Anschluss beim Basiswissen rund um die Vor- und Nachteile der Digitalisierung. Sollten in einigen Jahrzehnten Aliens auf der Erde landen, laufen wir unter diesen Umständen Gefahr, nur als die Tragtiere für hochentwickelte Maschinenwesen kategorisiert zu werden.

Bilder
Bei der Nutzung digitaler Dienste sind die Österreicher wechselfaule Gewohnheitstiere.
Bei der Nutzung digitaler Dienste sind die Österreicher wechselfaule Gewohnheitstiere. (© Erwin Lorenzen/pixelio.de)
Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden