Montag, 28. November 2022
Editor's ChoiceWenn sich zwei finden…

Staffelübergabe bei EP:Mayerhofer

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 22.11.2022 | | 1  Menschen, Unternehmen, Wissen
Nach 51 Jahren in der Branche und 35 an der Spitze von EP:Mayerhofer wird Paul Puschacher (li.) sein Geschäft mit Jahreswechsel an Marc Crane (re.) übergeben. Nach 51 Jahren in der Branche und 35 an der Spitze von EP:Mayerhofer wird Paul Puschacher (li.) sein Geschäft mit Jahreswechsel an Marc Crane (re.) übergeben. Im Wiener Elektrohandel ist EP:Mayerhofer eine Institution: Der Betrieb besteht seit mittlerweile 70 Jahren, die Hälfte dieser Zeit stand Paul Puschacher als Geschäftsführer an der Spitze. Unglaubliche 51 Jahre hat der Mann, den man im Grunde nur lächelnd kennt, in Summe am Standort in der Schönbrunner Straße verbracht. Mit Jahreswechsel übergibt er die Geschicke nun an Mark Crane – der sich in den letzten Jahren ebenfalls bereits einen Namen in der Branche machen konnte. Und wie es der Zufall will war es ausgerechnet die E&W, die die Wege der beiden einander im Jahr 2008 erstmals kreuzen ließ.

Die Geschichte beginnt am 2. August 1971, dem ersten Tag von Paul Puschacher als Lehrling bei der Mayerhofer Radio- und Fernsehservice Ges.m.b.H.ElectronicPartner, wie man es heute im Firmennamen führt, gab es damals noch nicht in Österreich. 51 Jahre ist der begeisterte Hobbysportler somit mittlerweile „im Geschäft”, 1987 hat er das Unternehmen und dessen Führung übernommen. Zu jener Zeit – „als es noch leichter war, Geld zu verdienen und die Kosten zu finanzieren” – erfolgten auch die baulichen Veränderungen, die den Standort in der Schönbrunner Straße 146 bis heute prägen: Das Geschäftslokal wurde umgebaut und durch die Integration eines Nachbargeschäfts vergrößert, die Büroräumlichkeiten bekamen ebenfalls mehr Platz.

Nomen est Omen

EP:Mayerhofer feiert heuer das 70-jährige Bestehen – GF Paul Puschacher durfte sich über eine Urkunde der Wirtschaftskammer freuen.

Obwohl damals (bis in die 1990er) auch das Geschäft mit technischer Ausrüstung für die Nachrichtenagentur Reuters florierte, stand das Service immer im Fokus: „Das steckt ja schon im Namen und ist einfach enorm wichtig für den Standort. Die Werkstatt macht seit jeher die Hälfte des Umsatzes und ist daher vorrangig für unsere Ausrichtung”, erklärt Puschacher. „Der Verkauf kam nach und nach dazu und wurde sukzessive gesteigert. Da wir uns breiter aufstelllen wollten, haben wir vor rund zehn Jahren – mit tatkräftiger Unterstützung unserer Kooperation – auch mit Weißware begonnen. Das war ein wichtiger Schritt für uns und ich könnte mir es ohne gar nicht mehr vorstellen – obwohl die Weißware das Einzige im Geschäft ist, das wir verkaufen aber nicht reparieren.”

Mitarbeiter sind das „Herz”

Besonders stolz ist Puschacher – der selbst über 30 Lehrlinge ausgebildet hat – auf sein Team: „Wir haben lauter langjährige Mitarbeiter im Unternehmen, die zum Teil bei mir gelernt haben. Ein Kollege beispielsweise hat vor 25 Jahren als Lehrling bei uns begonnen. Das Zusammenspiel im Team funktioniert perfekt und ich kann mich zu 100% auf meine Leute verlassen – genau deshalb macht‘s solchen Spaß”, betont Puschacher, der das Ganze dabei auf Gegenseitigkeit beruhen sieht: „Ich habe das Gefühl, die Mitarbeiter kommen gerne her, und daher komme ich auch gerne her. Außerdem haben alle ein gesundes Eigeninteresse. Das Team ist defnitiv das Herzstück des Unternehmens.”

Das Team umfasst neben dem Geschäftsführer sieben Mitarbeiter, von denen drei bis vier in der Werkstatt die Reparaturen durchführen und der Rest im Verkauf bzw. Außendienst tätig ist. Wobei es zu den Erfolgsfaktoren von EP:Mayerhofer gehört, dass die Grenzen hier fließend verlaufen – er habe „lauter Alleskönner“ im Unternehmen, weshalb man sehr bedarfsorientiert und flexibel agieren könne, so Puschacher.

Kundennähe ist Trumpf

Trotz der Erweiterung um die Weißware (mit den Hauptmarken Miele, Liebherr und Siemens Extraklasse) steht die Braunware weiterhin im Fokus – „Das ist nach wie vor die große Liebe”, schwärmt Puschacher und nennt als wichtigste Marken in diesem Bereich Bose, Sony und Panasonic, aber auch Denon oder Marantz. Neben dem klassischen Geräteverkauf ist das Unternehmen auch bei Multiroom- und AV-Gesamtlösungen sehr aktiv und hat ein weiteres Standbein mit der Maintainence von Shops im Outlet Center Parndorf, der Drogeriekette Müller oder Backwerk. Hier sorgt EP:Mayerhofer als Dienstleister für Beschallungslösungen in den Filialen.

Dass man im Verkauf dennoch aus den Vollen schöpfen kann, verdankt man dem Virtual Shelf von ElectronicPartner: „Das ist eine große Hilfe und enorm wichtiges Tool für den Verkauf”, so Puschacher weiter. Seine ganze Stärke kann das Unternehmen in Kombination mit der Reparaturtätigkeit ausspielen: „Bei der Braunware wird ja alles repariert, was wir führen. Durch den Service haben wir die Nähe zum Kunden. Denn der Trend geht ganz stark in die Richtung, dass Kunden sich dorthin wenden, wo ihnen geholfen wird. Aber der Service muss passen – das beginnt z.B. schon bei der Terminvergabe und -einhaltung. Ich komme ja selbst aus dem Servicebereich und daher ist das das wichtigste Thema für mich. Dahingehend ist der Reparaturbonus natürlich wirklich genial für uns, denn man kann ja viel reparieren – auch bei TVs. Und oft sind es Kunden mit wertigen Geräten, die damit zu uns kommen. Wobei man natürlich schauen muss, wo die Reparatur noch Sinn macht.”

Dass sich die Händlerlandschaft in Wien ausgedünnt hat, spielt dem Unternehmen ebenfalls in die Karten: „Es gibt halt nur mehr gewisse Fachhändler in Wien und auch hier in der Gegend hat sich viel verändert – mittlerweile sind fast alle, die hier einmal waren, verschwunden. Daher sind die Menschen froh, dass es uns gibt – denn sonst haben sie weit und breit nichts mehr.”

„Perfect Match”

Nach 51 Jahren will Puschacher nun also einen Schlussstrich ziehen und das Geschäft zum Jahreswechsel an seinen designierten Nachfolger Marc Crane übergeben. Kennengelernt haben sich die beiden bei der Verleihung der Goldenen Stecker im Jahr 2008. Damals wurde von E&W erstmals ein „Service”-Stecker vergeben – der auf Anhieb an EP:Mayerhofer ging. „Das war ein echtes Highlight und hat mich ungemein gefreut”, erinnert sich Puschacher, der bei der Entgegennahme der Auszeichnung damals meinte: „Als ich das gehört habe, habe ich Gänsehaut bekommen. Ich bin seit 37 Jahren in dem Geschäft und mache Service und Verkauf und das war für mich das Größte, was ich erreichen konnte.”

Schicksalhafte Fügung: Beim Goldenen Stecker hat E&W Paul Puschacher und Marc Crane vor 14 Jahren erstmals zusammengeführt.

Die beiden berichten, dass sie sich von Anfang an gut verstanden hätten – nicht zuletzt weil schnell klar war, dass sie ähnlich gestrickt sind: menschlich, fleißig und mit dem Fokus auf den Mitarbeitern. „Mark war dann beruflich öfter bei uns – für Reparaturen, zur Unterstützung bei Projekten, etc. Es war eine gute Synergie, die für beide Seiten passte. Daher hatte ich schon länger im Hinterkopf, dass Mark die Firma übernehmen könnte”, schildert Puschacher.

„Ich fühlte mich natürlich geehrt, als Paul mich gefragt hat – bei einem Grillabend”, blickt Crane mit einem Schmunzeln zurück. „Ich war zunächst skeptisch, aber Paul wusste genau, was er will. Die entscheidende Frage für mich lautete: Kann ich das? Und ich wollte auch meine eigene Firma, die Daro GmbH (Anm.: tätig im Projektmanagement, Shopfitting und Retail Service) nicht verlieren. Dann hat es in der Corona-Zeit einige Gespräche mit Paul gegeben – deren Ergebnis nun ja bekannt ist.”

Wie Puschacher kennt auch Crane die Elektrobranche seit vielen Jahren. Der HTL-Absolvent startete 2002 bei Bose als Promotor, avancierte aufgrund seiner Fähigkeiten aber bald zum technischen Support. Von 2003 bis 2014 war Crane als Fachberater für Bose in Großfläche (Media Markt und Saturn), aber z.B. auch bei Haas, tätig – stets auf selbstständiger Basis und nie als Angestellter bei Bose, wie er ausdrücklich festhält. Als Bose 2014 umstrukturierte, begann Crane kurzerhand mit Ladenbau für Bose.

Sein Unternehmen Daro wird Crane also behalten und wo möglich Synergien aus dem Ladenbau und den Handelskompetenzen von EP:Mayerhofer schaffen – man müsse aber zunächst einmal sehen, wie sich das einspielt. Im ersten Schritt will Crane daher auch nichts ändern: „Ziel ist es, funktionierende Strukturen beizubehalten. Alle Mitarbeiter werden übernommen und bleiben in der gleichen Position. Und es gibt natürlich auch keine Namensänderung, denn das ergäbe nach 70 Jahren überhaupt keinen Sinn.”

„Sanfter” Abschied

Der erste „Service”-Stecker ging an EP:Mayerhofer – für Paul Puschacher damals wie heute ein „echtes Highlight”.

Crane beschreibt die Übernahme von EP:Mayerhofer als „Schritt in einen neuen Lebensabschnitt”. Er sei in den letzten 20 Jahren durch seine Firma Daro „extrem viel unterwegs” gewesen: „Ich habe eine tolle Zeit gehabt und viel Lebenserfahrung gesammelt, d.h. ich bin sehr stressresistent. Aber irgendwann kommt die Zeit für Veränderung – und Paul hat den Weg möglich gemacht. Natürlich ist er nicht zu ersetzen – Paul ist Paul und Mark ist Mark. Wird sind verschiedene Menschen, doch das Herz der Firma Mayerhofer schlägt ohnehin in der Werkstatt. Service machen viele, aber das I-Tüpfelchen kann nicht jeder – EP:Mayerhofer schon, die gehen tatsächlich die Extrameile. Man überimmt hier auch einen riesigen Kundenstock und damit eine enorme Verantwortung.”

Puschacher wird sich in Zukunft also vermehrt seinen sportlichen Interessen und sonstigen Hobbys widmen, daneben dem Neo-Inhaber aber noch beratend zur Seite stehen. Zudem soll der heurige Weihnachtsbrief – ein persönliches Schreiben an die Kunden, das seit Jahren ein wichtiges Marketingtool darstellt – entsprechende Ordnung in die Übergangsphase bringen. Denn einig sind sich die beiden auch, dass es am Ende nicht um den Kunden, sondern immer um den Mensch dahinter geht – wie das folgende Kompliment von Crane bestens beweist: „Paul hat für jeden Kunden ein Ohr und ein Herz – da muss ich immer schmunzeln. Ich glaube, er bekommt mehr Weihnachtsgeschenke als er verkauft.” 

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