Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Samstag, 15. Juni 2024
Gedanken

Die lange Liste der Ehemaligen

Hausgeräte | Stefanie Bruckbauer | 05.03.2023 | Bilder | |  Meinung
Vor drei Jahren gab Royal Philips bekannt, die letzte verbliebene Consumersparte „Small Domestic Appliances“, also Kleingeräte, abzuspalten, um sie dann zu verkaufen – an die Chinesen (wen sonst?), wie sich ein Jahr später herausstellte. Nun wurde der neue Name des Unternehmens bekannt gegeben und ich wusste im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder weinen sollte ...

Das neue Unternehmen hinter Philips SDA (Small Domestic Appliances) heißt nun also „Versuni“. Ich wusste im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Lachen, weil die Erklärung für diesen Namen so absurd und an den Haaren herbeigezogen ist (Versuni steht für „Universum“ und „Universal“). Weinen, weil sich Royal Philips – einst einer der stärksten Elektronikkonzerne der Welt – selbst zerstückelt und amputiert hat. Royal Philips gab ja Anfang 2020 bekannt, nach TV, Audio und Licht, nun auch die letzte verbliebene Consumersparte „Small Domestic Appliances“ (Kleingeräte) abzuspalten, um sie dann zu verkaufen, und erklärte den Schritt mit dem Vorhaben, sich „mehr in die Richtung eines Gesundheitskonzerns zu entwickeln“ und dem Ziel „die Gesundheit der Menschen zu verbessern“ … das ist ja sauber in die Hose gegangen, wenn man an die Sache mit den Millionen defekten Beatmungsgeräten denkt, aufgrund derer laut Berichten sogar Leute gestorben sein sollen.

2021 wurde schließlich Hillhouse Capital als Käufer präsentiert. Die chinesische Investmentgesellschaft legte einen Milliardenbetrag für Philips Domestic Appliances auf den Tisch. Auch wurde eine exklusive Markenlizenzvereinbarung für zunächst 15 Jahre abgeschlossen. Zumindest solange darf Hillhouse Capital nun noch Kleingeräte unter dem Namen „Philips“ verkaufen.

Doch auch wenn Philips draufsteht, es ist nicht mehr Philips. Und damit reiht sich Philips SDA in eine lange Liste von Marken ein, die es eigentlich nicht mehr gibt, deren Namen aber von Lizenznehmern am Leben erhalten werden. Berühmte Beispiele sind Nordmende, Telefunken oder auch Grundig. Grundig war in den 80ern neben Philips der stärkste Elektronikkonzern im deutschsprachigen Raum, doch er ging 2003 in Konkurs. Der Markenname „Grundig“ wurde allerdings herausgekauft, von der türkischen Holding Koç, die mehrheitlich den Haushaltsgeräte-Hersteller Arçelik hält. Seitdem gibt es unter „Grundig“ nicht mehr nur Unterhaltungselektronik, also TV und Sound wie früher halt, sondern auch Rasierer und Haartrockner. Manch einer ist immer noch damit beschäftigt, sich daran zu gewöhnen.

Die Lizenznehmer profitieren natürlich. Keiner kauft eine No-Name-Marke. Übernommen werden nur Marken mit Strahlkraft – so wie Philips halt vor Jahren noch war. Ein Vorzeigekonzern mit Forschung, Entwicklung und Produktion in Europa. Ein Paradeunternehmen, das tolle Produkte machte, gut zu seinen Leuten war und Handschlagqualität gegenüber den Handelspartnern bewies. Aber was bleibt davon? Von der einstigen österreichischen Philips-Niederlassung ist jedenfalls längst nichts mehr übrig – gar nichts, und das obwohl es hieß, dass keine Leute gekündigt werden. Wie sich die Produktqualität entwickelt, wird man sehen, und das Gleiche gilt für die Zusammenarbeit mit dem Handel … vielleicht wird ja alles gut. TP Vision, das Unternehmen hinter der Marke Philips TV & Audio, hat nach anfänglichen Schwierigkeiten ja auch die Kurve gekratzt – in Deutschland; in Österreich arbeitet man noch daran. Mal sehen, was Versuni aus der Marke Philips SDA macht. Unsere Onlineleser scheinen diesbezüglich übrigens nicht sehr optimistisch, offenbar haben sie mit den Philips Kleingeräten nicht mehr viel am Hut und so gesehen ist zu befürchten, dass sich auch diese Marke in die immer länger werdende Liste der „Ehemaligen“ einreihen wird, Seite an Seite mit Minerva, Kodak, Brown Boveri BBC, Ingelen, Eumig, Hornyphon, usw. usf.

Bilder
Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden