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Freitag, 19. April 2024
Der Schneider Electric-Geschäftsführer im Interview

Karl Sagmeister: „Wir denken in Netzwerken”

Energiezukunft E-Technik | Wolfgang Schalko | 04.08.2023 | Downloads | |  Menschen, Wissen
Für Karl Sagmeister ist nachhaltiges Wirtschaften auch gesellschaftspolitisch relevant: „Wir haben das seit mehr als 15 Jahren in unserer DNA und es ist schön zu sehen, dass wir an der Nachhaltigkeitsfront nicht mehr alleine kämpfen.” Für Karl Sagmeister ist nachhaltiges Wirtschaften auch gesellschaftspolitisch relevant: „Wir haben das seit mehr als 15 Jahren in unserer DNA und es ist schön zu sehen, dass wir an der Nachhaltigkeitsfront nicht mehr alleine kämpfen.” In der aktuellen E&W-Ausgabe 7-8/2023 erläutert Karl Sagmeister ausführlich, was das Thema Nachhaltigkeit für Schneider Electric bedeutet, welche Unternehmensphilosophie der Konzern verfolgt und vor welchen Herausforderungen die Industrie wie auch die Elektriker aufgrund der Energiewende, neuen Regeln und Normen, schnelleren Produktzyklen sowie geänderten Bedarfen stehen. Lesen Sie die ergänzenden Ausführungen des Schneider Electric Österreich-Geschäftsführers.

E&W: Lieferketten, Warenverfügbarkeit, Teuerung, etc. – die Covid-Pandemie hatte massive Auswirkungen auf die Elektrobranche. Sind die Folgen überwunden bzw. was wird bleiben?

Karl Sagmeister: Hier sind Prognosen schwierig, weil sich das Geschehen jeden Tag dynamisch ändert. Der Reflex wäre zu sagen, dass wir schön langsam wieder in die Normalität zurückkehren, weil sich z.B. die Lieferkettenthematik beruhigt hat. Aber das halte ich für ein Trugbild, denn letztes Jahr haben viele aufgrund dieses panikähnlichen Zustandes, dass sie nicht mehr in der Lage sein würden, Aufträge zu erfüllen, sehr hohe Warenbestände aufgebaut. Auf denen sitzen sie nun, während sich schon abzeichnet, dass die Wirtschaft schön langsam nach unten geht, wie z.B. am Bausektor – das kommt jetzt Zug um Zug auch bei den Elektrikern an. Also wird auf die Bremse gestiegen, aber nicht mehr wie vor Covid in einem graduellen Prozess, wo das Bestellvolumen zuerst 10% reduziert wurde und dann wieder und wieder, sondern das ist jetzt ein abruptes Stoppen, weil eben auf der einen Seite das Lager voll ist und auf der anderen Seite die Auftragsbücher dünner werden – also wird „auf Sicht” gefahren und vorerst aus dem Bestand heraus gearbeitet. Und das geht zurück in eine Supply Chain, die im Dreischichtbetrieb so viel Output wie möglich produziert – allein um die Rückstände abzubauen, die wir alle in der Branche haben. Während also die Supply Maschinerie auf Vollauslastung fährt, bricht auf der anderen Seite der Bedarf weg – und diese beiden Kurven werden sich in den nächsten Monaten irgendwann treffen. Daher traue ich mich nicht vorherzusagen, was wir ausgestanden haben und was noch kommt. Diese Entwicklung zu antizipieren und zu managen, wird die große Herausforderung für uns alle sein. Da geht es um vorausschauendes Handeln, Planungssicherheit und gemeinsam mit den Kunden die Vorhaben abzuklären, damit das entsprechend in die Supply Chains zurückgespiegelt werden kann. Aus dieser Krise werden wahrscheinlich jene Unternehmen stärker herausgehen, die sehr gut digitalisiert sind und in ihren Logistikprozessen wenig menschliche Interaktion brauchen.

Umgelegt auf Schneider Electric sehe ich das mit einem relativ gelassenen Blick, denn es gibt momentan einfach so viele Segmente, die vorangehen, egal ob die Zinsen hoch sind – wie z.B. der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Infrastruktur für Elektromobilität, die Digitalisierung der Stromnetze, usw. Und in diesen wachsenden Märkten ist Schneider Electric – so wie alle großen Player – drin und da kann man es verkraften, wenn vielleicht ein andres Segment ein bisschen weniger Umsatz macht. D.h. bei den breit aufgestellten Unternehmen wie eben Schneider Electric ist ein ungebrochenes Wachstum da, es wird sich nur das Geschäft verschieben.

Da sind wir bei noch einem Punkt aus der Covid-Pandemie: Viele Unternehmen haben in dieser Zeit gelernt, sehr flexibel zu agieren – weil sie ganz einfach mussten. Die Frage ist, wie viel dieser Flexibilität man jetzt in dieses scheinbar wieder normale Geschäftsleben der nächsten Jahre mitnimmt. Denn diese Flexibilität ist ein ganz wichtiger Aspekt, erfordert allerdings auch gewisse Reserven. Ein schöner Nebeneffekt an Corona war, dass das Wort Verschwendung durch Resilienz ersetzt wurde – man hat plötzlich herausgefunden, dass all die Consultants, die uns in den vergangenen Jahren das letzte Quäntchen Ineffizienz aus den Supply Chains herausgezogen haben, falsch lagen. Es gibt nämlich doch noch Krisen, die man nicht vorhersehen kann und die eine gewisse Flexibilität in den Kapazitäten, die man zuvor als Ineffizienz definiert hatte, notwendig machen. Es wird spannend sein zu beobachten, wer die Resilienz mitnimmt und wer schnell wieder zu den Hypereffizienz-Consultants zurückkehrt und versucht sofort wieder zum optimieren. Außerdem sehe ich – gerade auch für uns als Schneider Electric–, dass wir wieder zu höchster Qualität in der Abwicklung und in der Kundenbetreuung zurückkehren. Die Toleranz für Fehler, die in den letzten 2-3 Jahren aufgebracht wurde, nimmt wieder spürbar ab, weil alle zunehmend unter Druck geraten. Von einem getriebenen wieder in ein kontrolliertes Handeln überzugehen, bildet für mich daher einen wichtigen Handlungsschwerpunkt.

Wohin entwickelt sich die Branche? Was sind die vordringlichsten Themen?

Die größte Herausforderung in den nächsten 12-18 Monaten besteht meines Erachtens in dem bereits genannten Synchronisieren mit den Vorgängen am Markt – wir haben ja Segmente mit zweistelligem Wachstum ebenso wie solche mit zweistelligen Rückgängen, und für diese sehr volatilen Bedarfe gilt es das richtige Management und die richtigen Instrumente zu finden. Weiters natürlich der Themenkomplex Digitalisierung, sowohl draußen beim Kunden als auch intern im Unternehmen, etwa durch digitale Anbindungen und Schnittstellen. Und drittens die Nachhaltigkeit, wo berechtigter gesellschaftlicher Druck kommt. Das Thema wird getrieben von den zwei Megatrends Regulierung ud Finanzierung: Mit ESG-Berichtspflicht, CO2-Reduktionsvorgaben etc. kommt das Thema von Regulierungsseite auf alle zu, demgegenüber lassen sich nicht-nachhaltige Gebäude bzw. Projekte heute kaum noch finanzieren. Und auch die – signifikant steigenden – CO2-Kompensationskosten haben die wenigsten auf dem Schirm.

Welche Rolle spielen Branchen-Netzwerke?

Initiativen wie die Plattform Industrie 4.0, KNX Austria und weitere treiben das Wissen voran und bieten einen Rahmen, sich auch herstellerübergreifend auszutauschen – und zwar kartellrechtlich unbedenklich, denn da geht‘s nicht um geschäftlichen Wettbewerb, sondern darum gestalterisch einzuwirken. Wir sind Mitglied in vielen Organisationen, weil es sich um ein systemisches Thema handelt, und weil wir auch gesehen haben, dass Gesetze nicht vom Himmel fallen – daran muss man arbeiten und im Rahmen von Netzwerken können wir als gesamte Branche sprechen und nicht als einzelner Hersteller.

Das komplette Interview mit Karl Sagmeister gibt’s in der E&W 7-8/2023 zum Nachlesen (beigefügt als PDF zum Download).

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Karl Sagmeister im E&W-Interview
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