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Freitag, 23. Februar 2024
Kommentar Hausgeräte E&W 1-2/ 2024

Ein Schnellschuss?

Hausgeräte | Stefanie Bruckbauer | 11.02.2024 | Bilder | | 5  Meinung
Der Start des „weltweiten Effizienzprogramms“, das Miele als Reaktion auf schwierige Rahmenbedingungen und sinkende Umsätze ankündigte, war wohl DIE Schlagzeile in der Branche in den letzten Tagen. Viele halten diesen Schritt für falsch. Ich frage mich, ob man sich bei so wichtigen Entscheidungen, von denen immerhin die Zukunft des ganzen Unternehmens abhängt, wirklich von der Meinung Externer leiten lassen sollte ...

Der Fall Miele bewegt die Branche. Ein Unternehmen, das seit 125 Jahren Erfolgsgeschichte schreibt, kommt ins Strudeln und reagiert, wie viele meinen, falsch.

Ein Blick zurück: In der Pandemie profitierte Miele, wie nahezu alle Hausgerätehersteller, massiv. Im Jahr 2020 lag das Umsatzplus bei 6,5%, 2021 bei +7,5% und 2022 sogar bei +12,2% – ein Rekord in der Unternehmensgeschichte. Dass das Wachstum nicht annähernd so weitergehen konnte, wie in Pandemiezeiten, als sich alle, die es sich leisten konnten, neu einrichteten Zuhause, MUSSTE allen klar sein. Und es kam, wie es kommen musste: ab 2022 brach der Konsum ein, in 2023 dann auch die Umsätze. Der heimische Hausgerätemarkt verlor vergangenes Jahr gesamt um rund 10 % und bei Miele war der Umsatzrückgang scheinbar ähnlich hoch.

Meine Oma sagte immer: Spare mit der Zeit, dann hast Du in der Not, was nichts anderes bedeutet als: Wer in guten Zeiten, in denen (viel) Geld da ist, Rücklagen bildet, kann davon in schlechten Zeiten profitieren – und vielleicht durchhalten. Miele hingegen steigt sofort auf die Bremse und spart, schlichtet um und aus, restrukturiert – viel zu früh, wie ich, und übrigens auch viele unserer Leser auf elektro.at, finden. Einige vermuten ja, dass die Inspiration zu Mieles Vorgehensweise (Anm.: die viele nicht nachvollziehen können und als schlicht falsch erachten) bei einem Beratungsunternehmen, McKinsey genannt, zu suchen ist. Manch einer prophezeit Miele schon jetzt den Untergang.

Ich persönlich finde, man sollte Miele nicht abschreiben. Der Konzern hat es immerhin 125 Jahre geschafft, ganz oben mitzuschwimmen, und ich erachte es als verfrüht, jetzt schon den Niedergang vorauszusagen. Ich bin kein Wirtschaftsexperte. Mein Hausverstand sagt mir allerdings, dass Miele, wie schon die Jahrzehnte davor, auf seine Erfahrung bzw. Expertise und das eigene Bauchgefühl hören sollte – und nicht auf externe Berater, die in erster Linie selbst Geld verdienen möchten, nur auf Zahlen schauen und diese optimieren, dabei aber oft nicht wirklich verstehen, wie diese Zahlen zustande kommen. Viele von denen sehen nicht, was diese Zahlen ihnen sagen wollen und sagen könnten. Sie verstehen das Geschäft nicht, kennen die Probleme in der Branche und im Unternehmen nicht – und wollen die vielleicht auch gar nicht kennen. Und wahrscheinlich ist vielen von denen auch relativ egal, ob Unternehmen, die sie „begleiten“, dieses auch „überleben“. Es würde zwar die eigene Erfolgsbilanz ein wenig beschmutzen, aber egal – speziell McKinsey ist so groß und mächtig mittlerweile, dass das viele mit „fähig“ und „qualifiziert“ verwechseln, und so werden auch weiterhin viele Konzerne in der Bredouille, in ihrer Not auf die „Hilfe“ der McKinseys dieser Welt setzen, und das Spiel beginnt jedes Mal von vorne.

Wenn sich Miele u.a. wieder auf seinen Markenkern besinnt, als „Familien“-Unternehmen, das es ja ist, agiert, qualitativ hochwertige Geräte in angestammten Werken produziert, sich mit den Preisen nicht bereichert, seine Mitarbeiter gut behandelt, dann könnte das Unternehmen die Kurve noch kriegen. Wenn es aber so weitergeht wie angekündigt, dieses „Effizienzprogramm“ mit der Kündigung und „Umschichtung“ von tausenden Mitarbeitern, der Verlagerung von Produktionsstätten, der Reduktion von Qualität und Kosten, weiteren Sparmaßnahmen und und und, dann sehe ich keine erfolgreiche Zukunft für die Premiummarke.

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Kommentare (5)

  1. Zugegeben: Miele ist in einer schwierigen Situationen. Der Industriestandort Deutschland ist teuer. Andererseits besteht der Markenkerne des Unternehmens aus Made in Germany und Verlässlichkeit für viele Jahre – ganz besonders bei Waschmaschinen. Und das lässt sich das Unternehmen auch bezahlen. Den Markenkerne aufzugeben, um eine Waschmaschine um ein paar Netsch billiger zu produzieren, erscheint mir unlogisch.

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    1. Da haben Sie recht, Miele muss sich diesem Dilemma stellen. Wieviel ein paar Netsch sind, fürchte ich, wissen wir hier als externe Beobachter nicht. Auch nicht, welche Alternativen abgewogen wurden. Wäre spannend zu wissen!

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  2. Ich verstehe nicht warum alle davon ausgehen, McKinsey bestünde aus entmenschlichten und weltfremden Leuten. Man holt derartig teure Berater um sich eine Meinung zu bilden was es für Optionen gibt, was andere Unternehmen in ähnlicher Situation richtig und falsch gemacht haben. Das steht nämlich nirgends in dem notwendigen Detailgrad. Und dann entscheidet die Unternehmensleitung sich für eine Vorfangsweise. Die Diskussion zum Thema Miele im diesem Forum ist geprägt von erschreckend niedrigem Niveau und leider grosser Überheblichkeit vieler Poster, es selbst am Besten zu wissen. Dort, wo Miele zu arrogant war, den Bogen überspannt hat, gibt es logischerweise Gegendruck. Aber die immensen Probleme des Industrie Standortes DE bei der Entscheidung von Miele auszublenden, disqualifiziert die Stammtisch Schreiber.

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