Freitag, 18. Oktober 2019
Geschichten vom Nachtkastel – Teil 11

Futter fürs Gehirn

Hintergrund |Andreas Rockenbauer | 27.01.2019 | | 1  

Ein gutes Buch aufzuschlagen kann nie schaden. Aber wenn eisiger Nordwestwind an den Fenstern rüttelt, sich vom Himmel her stabiles Grau auf´s Gemüt legt und sich das Thermometer beharrlich im Bereich unter Null festgefressen hat, dann ist Lesezeit. Daran gibt´s nichts zu rütteln.

Die Auswahl auf meinem Nachtkastel folgt derzeit keiner Regel. Außer vielleicht gerade dieser. Egal. Ca. 1.500 Seiten sind es jedenfalls derzeit mit sehr unterschiedlichen – und meiner Meinung nach – durchwegs unterhaltsamen und spannenden Themen.

Folgende Bücher habe ich gerade „in Arbeit”:

Irren ist nützlich – Warum die Schwächen des Gehirns unsere Stärken sind (Henning Beck; Sachbuch; Goldmann)

Serotonin (Michel Houellebecq, Roman, Dumont)

Blockchain 2.0 – einfach erklärt – weit mehr als nur Bitcoin (Dr. Julian Hosp, Sachbuch, FBV)

Letzter Stollen – Ein Altaussee-Krimi (Herbert Dutzler; Roman, Haymond)

Digitaler Humanismus – Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld; Sachbuch; Piper)

 

Irren ist nützlich – Warum die Schwächen des Gehirns unsere Stärken sind

Ich kann nur dringend davor warnen, sich ein bisschen eingehender mit dem Gehirn zu beschäftigen. Warum? Es macht süchtig! In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren hat sich auf dem Gebiet der Hirnforschung extrem viel getan. Dennoch kratzen wir immer erst an der Oberfläche, selbst wenn es bloß um  Antworten auf ganz grundsätzlichen Fragen geht.

Das vorliegende Buch von Henning Beck ist spannend, leicht lesbar und gibt ein paar interessante Einblicke in die Prinzipien, wie das Gehirn so tickt. 

Ein Beispiel: „Wer das allgemeine Gefühl hat, alles laufe immer schneller, und man komme gar nicht mehr hinterher, sollte sich eher fragen, warum das Gehirn in der Rückschau genau diesen Eindruck erzeugt: weil die Dinge zu langweilig sind, zu wenig Neues passiert! Wenn Sie Ihren Alltag in ein Schema gepresst haben und hocheffizient eine eingespielte Routine abspulen, wird das Gehirn das Zeitempfinden ebenso hocheffizient zusammenstreichen.” Wenn das nicht zum Nachdenken anregt…

Klappentext:

Unser Gehirn arbeitet oft schlampig… Ein Glück: Denn durch Irrtum entstehen die besten Ideen. Viele glauben, dass man konzentriert, effizient und fokussiert arbeiten muss, um Probleme zu lösen und erfolgreich zu sein, Wir sind aber oft langsam, abgelenkt, ungenau und vergesslich. Doch gerade diese Fehler führen zu neuen Ideen und überraschend guten Entscheidungen.

Henning Beck zeigt, warum die vermeintlichen Schwächen des Gehirns seine wahren Geheimwaffen sind. Erst durch Irrtümer des Gehirns sind wir kreativ – etwas, das Künstliche Intelligenz uns so schnell nicht nachmacht.

 

Serotonin

Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen polarisiert – und das seit Jahrzehnten. Ich habe jeden Roman vom Enfant terrible der französischen Literaturszene gelesen, und habe es nie bereut. Das bekannteste Werk – übrigens mit Moritz Bleibtreu ausgezeichnet unter dem gleichen Titel verfilmt – ist vermutlich Elementarteilchen, das mich vor vielen, vielen Jahren auf einer Zugfahrt von Saalfelden nach Wien in seinen Bann gezogen hat.

Aber Achtung: Menschen, die zu Depressionen neigen, seien eindringlich vor den Werken Michel Houllebecqs gewarnt. Das Düstere, Abseitige, Depressive menschlichen Charaktere zieht sich wie ein roter Faden durch alle seine Geschichten und dürfte Rückschlüsse auf das Gefühlsleben des Autors zulassen.

Klappentext:

Als der 46-jährige Protagonist von Serotonin, dem neuen Roman des Goncourt-Preisträgers Michel Houellebecq, Bilanz zieht, beschließt er, sich aus seinem Leben zu verabschieden – eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre neue Antidepressivum Captorix nichts zu ändern vermag, das ihn in erster Linie seine Libido kostet.

Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegenwart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globalisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er sich selbst und andere verraten hat.

Noch nie hat Michel Houellebecq so ernsthaft und voller Emotion über die Liebe geschrieben. Zugleich schildert er in Serotonin den Kampf und den drohenden Untergang eines klassischen Wirtschaftszweigs in unserer Zeit der Weltmärkte und der gesichtslosen EU-Bürokratie.

 

Blockchain 2.0 – einfach erklärt – weit mehr als nur Bitcoin

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber was das Thema Blockchain im Allgemeinen und Kryptowährungen wie etwa Bitcoin im Besonderen angeht, bin ich ziemlich zwiegespalten. Einerseits scheint mir die dahinterliegende Idee faszinierend und zukunftsweisend, auf der anderen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da auch ein bisschen viel Hokuspokus im Spiel ist.

Keinesfalls kann es schaden, sich mit einigen Grundlagen des Prinzips und der damit verbundenen Technologie zu beschäftigen. Und sei es nur, um qualifiziert mitreden und sich selbst ein Bild machen zu können und nicht in die Falle zu tappen, das technische Thema Blockchain mit dem Anwendungsthema Kryptowährungen in einen Topf zu werfen.

Die Literatur zu diesem Thema ist überbordend und daher extrem unübersichtlich. Das vorliegende Buch scheint mir da eine ganz gute Wahl zu sein. Auch wenn mir der Selbstdarstellungsdrang des Autors etwas auf die Nerven geht. Aber das versuche ich auszublenden…

Klappentext:

Mittlerweile sind Bitcoin und Kryptowährungen in aller Munde – doch hinter dem Begriff Blockchain steckt weitaus mehr. So sind Datenschutz, Tokenisierung, Smart Contracts und Besitz nur einige ihrer Anwendungsbereiche. Dieses Buch beinhaltet alles zu den Möglichkeiten, Potenzialen und Gefahren von dezentralen Anwendungen.

Nach seinem Bestseller „Kryptowährungen – Bitcoin, Ethereum, Blockchain, ICO´s & Co. einfach erklärt” widmet sich Dr. Julian Hosp nun der Erklärung der Blockchain auf simple Art und weise. Daher ist dieses Buch sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittenen geeignet.

 

Letzter Stollen – Ein Altaussee-Krimi

Dass ich ein leidenschaftlicher Fan des Salzkammerguts bin, sei hier einmal mehr betont. Auch wenn die Menschen rund um meine Wahlheimat Bad Aussee im Mittelpunkt Österreichs erstmal nicht so zugänglich scheinen wie die fast kitschig schöne Landschaft mit ihren Seen, Bergen, Wiesen und malerischen Ortschaften, kann man sich dort richtig wohl fühlen.

Was liegt da näher, sich auch literarisch mit den den Sitten und Bräuchen der Region vertraut zu machen – und das Ganze auch noch zu genießen. Also ziehe ich mir jeden einzelnen Altaussee-Krimi von Herbert Dutzler rein, der es jedesmal schafft, die auftretenden Hauptfiguren zum sympathischen Leben zu erwecken.

Wenn mich nicht alles täuscht, ist das vorliegende Buch der siebente Band der Serie rund um den schrulligen Inspektor Gasperlmaier, der ganz gerne ziemlich tief in die mit Bier gefüllten Krügelgläser schaut und sich nebenbei großzügig mit den kulinarischen Köstlichkeiten der Region labt. Was soll ich sagen? „Letzter Stollen” ist, wie auch alle anderen Altausse-Krimis von Dutzler wärmstens zu empfehlen. Wenn man Krimis mit jeder Menge Lokalkolorit mag und keine allzu tiefgehenden Geschichten erwartet.

Klappentext:

Mord unter Tage: Ausgerechnet an Gasperlmaiers Geburtstag verschwindet ein Tourist bei einer Führung im Salzbergwerk. Hat er sich im Stollen-Labyrinth verirrt, oder hat ihn jemand beiseitegeschafft?

Statt zu feiern, muss Gasperlmaier ermitteln  dabei wird ihm unter der Erde ganz flau im Magen. Dass der Vermisste wenig später tot aufgefunden wird, hilft da auch nicht…

Gewohnt liebenswert und ungewöhnlich heldenhaft: In seinem neuen Fall wächst der beliebteste Ermittler Österreichs über sich hinaus!

 

Digitaler Humanismus

Julian Nida-Rümelin ist studierter Physiker und Philosoph, war deutscher Kulturstaatsminister und lehrt heute Philosophie und politische Theorie an der Universität München.

Seine Bücher sind durchwegs gut zu lesen und ausgesprochen kompetent. Nida-Rümelin hat sich in der Vergangenheit vor allem im Bereich Ethik auch international einen Namen gemacht und versucht, im vorliegenden Buch technische Entwicklungen rund um die Idee der Künstlichen Intelligenz mit sich daraus ergebenden ethischen Fragen zu verknüpfen.

Und das gelingt ihm – zusammen mit seiner Co-Autorin Nathalie Weidenfeld – in gewohnter Weise ganz hervorragend. Wer sich nicht scheut, aktuelleste Technologie mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Klappentext:

Wir befinden uns inmitten einer disruptiven technologischen Veränderung, die digitale Revolution ist in vollem Gange. Künstliche Intelligenz wird viele Arten menschlicher Arbeit übernehmen: Roboter werden Pakete austragen, Taxi fahren, Bankberatung anbieten, in Callcentern arbeiten und neben Ärzten in Krankenhäusern operieren.

Die Digitalisierung durchdringt schon heute unsere Arbeitswelt, aber auch unsere privaten Lebenswelten und übt einen gewaltigen Veränderungsdruck auf die ökonomischen und sozialen Verhältnisse aus.

Dieses Buch ist eine Stimme der Vernunft in einem hysterischen Streit zwischen den Euphorikern und den Apokalyptikern der Künstlichen Intelligenz. Es entwickelt die philosophischen Grundlagen eines digitalen Humanismus, der klar unterscheidet zwischen menschlichem Denken, Empfinden und Handeln einerseits und softwaregesteuerten, algorithmischen Prozessen andererseits.

Eine Alternative zur Silicon-Valley-Ideologie, für die Künstliche Intelligenz zum Religionsersatz zu werden droht.

 

Ich wünsche Ihnen allen spannenden Lektüre (mit Ihren ganz persönlichen Bestsellern) und freue mich immer über Buchempfehlungen!

Fortsetzung folgt…

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